Donald Trump hat Kanada für die durch Waldbrände verursachte Luftverschmutzung im Nordosten der Vereinigten Staaten verantwortlich gemacht und Ottawa mit zusätzlichen Zöllen gedroht. Auf seiner Plattform Truth Social bezeichnete der US-Präsident die Situation am Donnerstagabend als „absolut inakzeptabel“. Der Rauch aus kanadischen Wäldern sei „zu einem jährlichen Ereignis“ geworden, die USA würden „unnötigerweise mit dreckiger, verschmutzter und ungesunder Luft belastet“.

Trump kündigte an, Premierminister Mark Carney anzurufen, um zu erfragen, was Ottawa gegen die Rauchentwicklung unternehme. Die entstehenden Kosten müssten „zwangsläufig“ den bestehenden Zöllen auf kanadische Importe hinzugerechnet werden, schrieb Trump. Konkrete Zahlen nannte er nicht. Wie das Handelsblatt am Freitag berichtete, hatte der US Supreme Court zuvor viele der Trump-Zölle gegen kanadische Waren als verfassungswidrig eingestuft - juristisch steht die angekündigte Aufschlagsdrohung damit auf dünnem Eis.

Aus Ontario kam umgehend eine spitze Antwort. Provinz-Premier Doug Ford, in dessen Zuständigkeit Dutzende der aktuellen Brände fallen, wies Trumps Vorwurf zurück. Statt „herumzuquasseln und sich zu beschweren“ sollten Politiker lieber Hilfe schicken, sagte Ford laut t-online, „denn genau das haben wir auch für unsere amerikanischen Freunde getan“. Ontario hatte in den vergangenen Jahren wiederholt Löschmannschaften in die USA entsandt, wenn dort Waldbrände außer Kontrolle gerieten.

Statt herumzuquasseln und sich zu beschweren, sollten Politiker lieber Hilfe schicken - genau das haben wir auch für unsere amerikanischen Freunde getan.
- Doug Ford, Premier von Ontario, zitiert von t-online

Rauch bis nach Washington und New York

Die Brände in Ontario und im nördlichen US-Bundesstaat Minnesota haben in den vergangenen Tagen Rauchschwaden bis in die großen Metropolen der Ostküste getrieben. Betroffen sind laut t-online unter anderem Toronto, Chicago, Detroit, Washington und New York. Im Großraum New York liegt der Luftqualitätsindex seit Mitte der Woche zeitweise im ungesunden Bereich, Gouverneurin Kathy Hochul hatte Anwohnerinnen und Anwohnern bereits zu N95-Masken geraten.

Direkt betroffen ist auch die Region East Rutherford in New Jersey, wo am Sonntag im MetLife Stadium das WM-Finale zwischen Argentinien und Spanien ausgetragen wird. Meteorologen erwarten allerdings ab Samstag Regen und Gewitter, die den Rauch aus der Luft waschen sollen. Ob das Spiel selbst unter der Rauchbelastung leidet, hängt davon ab, wie stark die Front die Region reinigt.

Trumps Vorstoß ist der jüngste Baustein in einem angespannten Verhältnis zwischen Washington und Ottawa. Seit Trumps zweiter Amtszeit steht das Freihandelsabkommen USMCA erneut unter Druck, mehrere Handelsstreitigkeiten laufen parallel. Dass der US-Präsident nun auch Umweltschäden monetarisieren und in bestehende Zollstreitigkeiten einspeisen will, dürfte das Klima zwischen den beiden Nachbarn weiter belasten - unabhängig davon, ob die Zollaufschläge juristisch je Bestand haben.