US-Präsident Donald Trump ist am Freitagabend erstmals als amtierender Präsident beim Dinner der White House Correspondents' Association aufgetreten. Die Veranstaltung fand im Ballsaal des Waldorf Astoria in Washington statt, drei Monate nachdem ein bewaffneter Angreifer im Washington Hilton das ursprüngliche Dinner am 25. April gestoppt hatte. Rund 700 Gäste waren geladen - deutlich weniger als die etwa 2600 im April, wie t-online berichtet.

Trumps Rede dauerte über eine Stunde und wechselte zwischen versöhnlichen Passagen und offenen Angriffen. Zunächst würdigte er den Berufsstand, sprach von der „erstaunlichen Arbeit“ der Journalisten und sagte, er „respektiere den Journalismus als Beruf“, wie SRF aus dem Ballsaal zitiert. Kurz darauf richtete er sich gegen die Anwesenden im Saal: „Wenn ich weg bin, seid ihr alle pleite“, so der Präsident. „Niemand interessiert sich für irgendjemand anderen.“ Namentlich attackierte er nach SRF-Angaben unter anderem die CNN-Reporterin Kaitlan Collins, die er als „Lügnerin“ bezeichnete.

Wenn ich weg bin, seid ihr alle pleite.
- Donald Trump, US-Präsident, beim Dinner der White House Correspondents' Association

Die Reaktionen im Saal fielen laut Berichten zurückhaltend aus. Die Neue Zürcher Zeitung beschrieb überwiegend „stille Gäste, die teilweise Richtung Boden schauten“; Lacher seien größtenteils ausgeblieben. An einer Stelle nannte Trump seine eigene Rede „stupid“, als eine Pointe über einen älteren Senator nicht zündete. Am Ende setzte er sich eine rote Mütze mit der Aufschrift „Trump 2028“ auf und deutete eine erneute Kandidatur an - ein Amt, das ihm der 22. Zusatzartikel der US-Verfassung nach zwei Amtszeiten verwehrt.

Ein Dinner unter dem Schatten des Anschlags vom 25. April

Das Aprildinner im Washington Hilton war nach wenigen Minuten abgebrochen worden, nachdem der 31-jährige Cole Tomas Allen aus Torrance, Kalifornien, an einer Sicherheitsschleuse eine Pumpgun, eine halbautomatische Pistole und mehrere Messer einsetzte. Ein Beamter des Secret Service wurde am Schutzweste getroffen und später aus dem Krankenhaus entlassen. Trump, First Lady Melania Trump und Vizepräsident JD Vance wurden aus dem Ballsaal evakuiert. Nach Angaben des Justizministeriums war der Präsident das Ziel des Angriffs; Allen wurde unter anderem wegen versuchten Attentats auf einen US-Präsidenten angeklagt und plädierte am 11. Mai auf nicht schuldig.

Für die Wiederholung im Waldorf Astoria verschärften Veranstalter und Behörden die Sicherheitsvorkehrungen und reduzierten die Gästezahl. Trump, der die traditionsreiche Gala während seiner ersten Amtszeit boykottiert hatte, hatte sein Kommen bereits im März angekündigt und die nachgeholte Veranstaltung am Freitag mit dem Satz „the show must go on“ begonnen, wie das Luxemburger Tageblatt berichtete.

Zwischen Presseshow und Wahlkampfrhetorik

Bemerkenswert war, wie sehr sich Trumps Auftritt vom klassischen Format des Korrespondentendinners löste. Statt der üblichen Selbstironie eines Präsidenten dominierten Wahlkampfmotive: Angriffe auf Ex-Präsident Joe Biden, die Senatoren Elizabeth Warren, Chuck Schumer und Adam Schiff sowie den kalifornischen Gouverneur. „Wie zum Teufel habe ich die Wahl so deutlich gewonnen?“, fragte Trump laut NZZ in den Saal. Zum Iran-Konflikt sagte er, das Vorgehen der USA „verlaufe extrem gut“.

Die White House Correspondents' Association hatte das Dinner im April 2026 auch als Bekenntnis zur Pressefreiheit inszeniert - drei Monate später fand es unter denselben Vorzeichen statt, aber mit einer deutlich kleineren Gästeliste und einem Präsidenten, der die Distanz zum Berufsstand demonstrativ suchte.