US-Präsident Donald Trump hat den Ontariosee per Dekret in „Lake America“ umbenannt. Trump unterschrieb die Executive Order am Donnerstag im Oval Office und erklärte die Namensänderung für „mit sofortiger Wirkung“ gültig. Innenminister Doug Burgum kündigte an, die Karten des United States Geological Survey binnen 30 Tagen anzupassen. Für Kanada oder internationale Kartenwerke hat der Erlass keine Bindung; völkerrechtlich ist der grenzüberschreitende See weiterhin der Ontariosee.
Als Begründung führte Trump vor Journalisten am Resolute Desk den laufenden Handelsstreit mit Kanada an. „Kanada zieht uns seit langer Zeit über den Tisch beim Handel“, sagte er laut Washington Post; die Kanadier seien „fiese Leute“, wie die Salzburger Nachrichten seine Formulierung wiedergeben. Das Volumen des Sees liege zum größten Teil in US-Territorium, zitiert Fox News den Präsidenten. Es ist die zweite Umbenennung dieser Art nach dem Golf von Mexiko, den Trump am ersten Tag seiner zweiten Amtszeit in „Gulf of America“ umbenannt hatte. Bei der Zeremonie deutete er weitere Aktionen an: Es fehle nun noch ein Ozean, dessen Namen man ändern könne.
Kanadas Premierminister Mark Carney reagierte noch am Donnerstag. „Kanadier wissen, dass die Realität beim Namen zu nennen bedeutet, ihn Ontariosee zu nennen - früher, heute und für immer“, schrieb Carney in einem öffentlichen Statement. Der Name gehe auf das Wendat-Wort „Ontari'io“ zurück, was so viel bedeute wie „der See ist schön, der See ist groß“. Der Name sei mehr als 400 Jahre alt und älter als sowohl die kanadische Konföderation als auch die amerikanische Unabhängigkeitserklärung. Der Bundesstaat Ontario, in dem ein Drittel der kanadischen Bevölkerung lebt, verdanke seinen Namen dem See - nicht umgekehrt.
Kanadier wissen, dass die Realität beim Namen zu nennen bedeutet, ihn Ontariosee zu nennen - früher, heute und für immer.
Der Handelsstreit im Hintergrund
Die Umbenennung fällt in eine Woche, in der die Beziehungen der USMCA-Nachbarn auf einem Tiefpunkt sind. Seit dem 22. August erheben die USA Strafzölle von 50 Prozent auf kanadische Waren im Wert von rund 20 Milliarden Dollar. Ottawa hat für den 8. September eigene Gegenzölle in gleicher Höhe angekündigt, wie Al Jazeera berichtet. Verhandlungen zwischen Washington und Ottawa waren in der Nacht zum Freitag vor einer Woche ohne Ergebnis abgebrochen worden.
Ontarios Ministerpräsident Doug Ford tat das Dekret zunächst als „viel Rhetorik“ ab, rief seine Landsleute aber zum Konsumboykott auf. „Wenn du im Krieg bist, schützt du dein Eigenes. Du fährst nicht in die USA und kaufst dort Produkte“, zitiert ihn das Magazin Time. British Columbias Premier David Eby appellierte an Reisende: „Wenn ihr die Wahl habt, fahrt bitte nicht in die USA. Wählt ein anderes Urlaubsziel.“ Finanzminister François-Philippe Champagne verwies auf die Kaufkraft jedes einzelnen Konsumenten als „größte Macht, die wir haben“.
Die Aufrufe treffen auf vorbereiteten Boden. Im ersten Quartal 2026 ging die Zahl kanadischer USA-Reisen laut Time bereits um 10,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurück, die Ausgaben um 13,6 Prozent. Regionen wie Myrtle Beach und Panama City verzeichneten Rückgänge kanadischer Gäste von über 60 Prozent. Die Umbenennung des Ontariosees mag symbolisch sein; ihre Wirkung auf die kanadische Öffentlichkeit dürfte es weniger sein.