US-Präsident Donald Trump hat das Pentagon angewiesen, die gemeinsamen Militärmanöver mit Südkorea deutlich herunterzufahren. In einem Beitrag auf Truth Social kündigte Trump am Samstag an, die diesjährige Großübung Ulchi Freedom Shield „substanziell reduzieren“ zu wollen. Als Begründung nannte er sein „sehr gutes Verhältnis“ zu Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un und die aus seiner Sicht verweigerte Unterstützung Seouls in der Iran-Politik.

Die Übung startete dennoch wie geplant an diesem Montag. Der südkoreanische Generalstab teilte laut CNN mit, das elftägige Manöver laufe „wie zuvor angekündigt und terminiert“. Wegen eines Feiertags in Seoul äußerten sich Präsidialamt, Verteidigungs- und Außenministerium zunächst nicht zu Trumps Forderung. An Ulchi Freedom Shield sind bis zum 27. August rund 18.000 südkoreanische Soldaten beteiligt, die neben klassischen Gefechtsszenarien vor allem Drohnenabwehr, GPS-Störungen und die Verteidigung gegen Cyberangriffe trainieren.

„These exercises are not only costly“, schrieb Trump, „but send a signal that is totally inappropriate and hostile.“ Nordkorea habe sich in seiner Amtszeit „unbedrohlich und respektvoll“ verhalten. Zugleich attackierte der Präsident die Regierung in Seoul: „Ich habe den Präsidenten Südkoreas kürzlich gefragt, ob sie uns bei der Denuklearisierung der Islamischen Republik Iran unterstützen möchten, und sie sagten: Nein, danke!“ Verteidigungsminister Pete Hegseth soll die Reduzierung nun umsetzen.

These exercises are not only costly, but send a signal that is totally inappropriate and hostile.
- Donald Trump, Truth Social

Alter Streit, neuer Vorwand

Der Konflikt um die Übungen ist nicht neu. Bereits nach seinem ersten Gipfel mit Kim Jong Un 2018 in Singapur hatte Trump die Manöver als „provokativ“ und „teuer“ bezeichnet und einzelne Übungen aussetzen lassen. Auch der Streit um die Kostenbeteiligung Seouls für die rund 28.500 in Südkorea stationierten US-Soldaten schwelt seit Jahren. Ulchi Freedom Shield selbst wurde in den vergangenen Jahren bereits von scharfen Schießübungen auf computersimulierte Szenarien umgestellt - unter anderem, um Peking und Pjöngjang weniger Angriffsfläche zu bieten.

Neu ist die ausdrückliche Kopplung an die Iran-Politik. Nach den US-Angriffen auf iranische Atomanlagen im Juni hatte Washington seine Verbündeten wiederholt zu deutlicher Rückendeckung aufgefordert. Südkoreas Präsident hatte eine militärische Beteiligung wie viele andere Alliierte abgelehnt. Trumps Botschaft, den Konflikt mit Teheran und die Sicherheitsarchitektur in Ostasien miteinander zu verzahnen, dürfte in Seoul und Tokio mit Sorge gelesen werden - zumal offen bleibt, welche Teile des Manövers am Ende tatsächlich gekürzt werden.

In Washington reagierten Republikaner wie Demokraten zurückhaltend. Aus dem Pentagon gab es zunächst keine Details, wie die Anweisung des Präsidenten konkret umgesetzt werden soll. Die Übung ist bereits angelaufen, ein spontaner Rückzug amerikanischer Einheiten mitten im Manöver wäre operativ komplex. Klar ist nur: Trumps Auftritt trifft die südkoreanische Regierung in einer Phase, in der Nordkorea seine Raketentests wieder häufiger fährt und die Streitkräfte in der Region ihre Abwehrpläne gegen Drohnenangriffe eigentlich verdichten wollten.