Um 00:31 Uhr Ortszeit endete das WM-Finale von New Jersey nicht mit Bildern von Spaniens neuen Weltmeistern, sondern mit einem gellenden Pfeifkonzert. Als Donald Trump auf den Stadionwürfeln des MetLife Stadium eingeblendet wurde, übertönten die Pfiffe die laute Musik im Stadion, wie die Sportschau in ihrem Live-Ticker notierte. Der US-Präsident hatte zuvor den 1:0-Sieg Spaniens nach Verlängerung gegen Argentinien aus der Ehrenloge hinter Panzerglas verfolgt, an der Seite von FIFA-Präsident Gianni Infantino.
Als Rodri und seine Mitspieler zur Siegerehrung ins Rund kamen, standen Trump und Infantino gemeinsam auf der Bühne. Die Pokalübergabe selbst geriet aus dem Takt: Trump blieb länger als vorgesehen in der Mitte der spanischen Mannschaft, Infantino versuchte den Präsidenten dezent hinauszukomplimentieren, ohne Erfolg. Erst als Trump an den Bühnenrand gerückt war, hob Rodri den Pokal in die Höhe. „Die große Show bleibt aus“, titelte die Heilbronner Stimme über die zerdehnte Zeremonie.
Das kann noch eine Weile dauern.
Die Buhrufe waren keine Überraschung. Trump war bereits beim Einlaufen begleitet von Pfiffen und einzelnen „USA“-Sprechchören, ähnlich wie bei seinem Super-Bowl-Besuch im Februar. Der Vorbericht der Heilbronner Stimme hatte bereits am Freitag darauf hingewiesen, dass argentinische und spanische Fans dem US-Präsidenten „nicht allzu viel Zuneigung“ entgegenbringen dürften. Trumps Nähe zu Infantino wird international zunehmend kritisch beobachtet, insbesondere seit der FIFA-Chef ihm im Frühjahr einen selbst geschaffenen „FIFA Peace Prize“ überreicht hatte.
Messi bekommt Silber aus Trumps Hand
Auch Lionel Messi nahm seine Silbermedaille direkt von Trump entgegen. Argentiniens Kapitän wurde beim Gang durch das Spalier von seinen Landsleuten frenetisch gefeiert, während aus den spanischen Blöcken „Rodri, Rodri“-Rufe schallten. Kurz darauf bekam der spanische Sechser laut Sport1 den Goldenen Ball als bester Spieler des Turniers überreicht. Für Argentinien blieb der bittere Abschied von einer WM, in der Messi acht Tore erzielte und im Halbfinale gegen England noch beide Treffer aufgelegt hatte.
Für die FIFA hinterlässt das Finale einen Beigeschmack. Nicht der Weltmeister stand am Ende im Mittelpunkt der Fernsehbilder, sondern der US-Präsident und ein sichtlich bemühter Infantino. Der Schweizer hatte die Auslosung im Dezember bereits gemeinsam mit Trump im Kennedy Center inszeniert - und muss sich nun fragen lassen, ob die politische Nähe die sportliche Höhepunktbilanz seines Turniers überschattet hat.