Donald Trump hat seinen Staatsbesuch in China am Freitag mit einer Reihe vager, aber prominent verkündeter Handelszusagen abgeschlossen. Wie wir vor drei Tagen berichteten, hatten beide Seiten den Gipfel von vornherein als „Stabilitätsgipfel“ angekündigt und keinen großen Durchbruch in Aussicht gestellt - genau dieses Format hat sich nun bestätigt. Nach knapp dreistündigen Gesprächen im Regierungsviertel Zhongnanhai sprach der US-Präsident vor laufenden Kameras von „fantastischen Handelsdeals“ mit Staats- und Parteichef Xi Jinping. Konkret nannte Trump eine Bestellung von 200 Boeing-Jets, Käufe amerikanischer Sojabohnen und Rohöl sowie eine Verlängerung des bestehenden Zollwaffenstillstands - schriftlich bestätigte die chinesische Seite die Details zunächst nicht.
Die Boeing-Ankündigung war das visuell stärkste Ergebnis des Gipfels. Trump nannte sie bei Fox News „viele Arbeitsplätze“, die Aktie reagierte dennoch mit einem Kursrutsch von mehr als vier Prozent: Analysten der Investmentbank Jefferies hatten mit einem Auftrag in der Größenordnung von bis zu 500 Flugzeugen gerechnet, schreibt Bloomberg. Es wäre der erste Großbezug amerikanischer Verkehrsflugzeuge durch China seit fast einem Jahrzehnt. Boeing-Chef Kelly Ortberg war Teil der US-Delegation und hatte vor dem Termin erklärt, der Abschluss hänge an einer politischen Einigung der beiden Präsidenten.
Beim außenpolitischen Block drehte sich der größte Teil um den Iran-Krieg. „Wir haben über Iran gesprochen. Wir empfinden sehr ähnlich beim Iran“, sagte Trump vor der Presse. Xi habe Hilfe Pekings bei einer Beilegung des Krieges und bei der Wiederöffnung der Straße von Hormus angeboten, die im Verlauf der regionalen Eskalation faktisch geschlossen worden war - Peking ist auf iranische Öllieferungen angewiesen. Außerdem habe China zugesichert, dem Iran keine militärische Ausrüstung mehr zu liefern. Eine gemeinsame schriftliche Erklärung legten beide Seiten nicht vor.
Falls es richtig gehandhabt wird, hält die Beziehung. Falls es falsch gehandhabt wird, riskieren beide Länder eine Kollision.
Taiwan: Xis schärfere Linie
Den strittigsten Punkt des Tages markierte Xi mit einer Mahnung zu Taiwan, die nach Einschätzung mehrerer Beobachter als Tonverschärfung gewertet wird. Die Frage Taiwans sei „die wichtigste Frage in den chinesisch-amerikanischen Beziehungen“, sagte der chinesische Präsident in einer von Euronews und ZDFheute zitierten Sequenz. Bei der anschließenden Pressekonferenz wollte Trump auf Nachfragen nicht eingehen; US-Außenminister Marco Rubio bestätigte später lediglich, das Thema sei zur Sprache gekommen, die amerikanische Position habe sich nicht verändert. Washington hat ein bereits beschlossenes Waffenpaket im Umfang von rund elf Milliarden Dollar an Taipeh noch nicht ausgeliefert.
Asien-Experte Mikko Huotari ordnete die Botschaft im ZDFheute scharf ein: „China ist bereit, Gewalt anzuwenden.“ ZDFheute-Korrespondent Elmar Theveßen kommentierte die Substanz des Gipfels insgesamt nüchtern - er habe „freundliche Zeremonien und schöne Bilder“ produziert, die konkreten Ergebnisse seien jedoch „so unklar wie das diesige Wetter hier in Peking“. In der Gesamtschau, fasst das Magazin zusammen, einigten sich beide Seiten lediglich auf den Grundsatz, eine „konstruktive, strategische, stabile Beziehung“ anzustreben - eine Formel, die mehr beschreibt als verbindlich vereinbart.
Tee in Zhongnanhai, offene Streitpunkte
Trump verließ am Freitagnachmittag Pekinger Zeit die Hauptstadt. Sein Empfang im sonst abgeschotteten Regierungssitz Zhongnanhai galt als außergewöhnliche Geste; Tee und ein gemeinsames Mittagessen mit Xi schlossen die zweitägigen Gespräche ab. Die Verlängerung des Zollwaffenstillstands und das geplante neue „Board of Trade“-Gremium für bilaterale Handelsfragen verschieben die heiklen Streitpunkte - Halbleiter, Seltene Erden, Hochtechnologie - in die nächste Verhandlungsrunde. Auf europäischer Seite gab es zum Abschluss des Gipfels keine offiziellen Reaktionen, weder aus Berlin noch aus Brüssel.