Um 12.40 Uhr fällt am Sonntag in der Aachener Soers der erste Reiterball für den Rolex Grand Prix - den Großen Preis von Aachen, das prestigeträchtigste Springen des Wochenendes. Auf der Startliste steht nach Angaben des Veranstalters nahezu die geschlossene Top 25 der Springreiter-Weltrangliste. Die WDR-Übertragung beginnt um 12.30 Uhr, ab 14.45 Uhr schaltet die ARD zum entscheidenden Umlauf und Stechen um.

Aachen ersetzt in diesem Jahr seinen traditionellen Sommer-CHIO durch ein verkürztes Format. Statt einer kompletten Festwoche dauert das „TSCHIO“ - vom Veranstalter als temporärer CHIO eingeführt - nur von Freitag bis Sonntag. Hintergrund ist die FEI-Weltmeisterschaft in sechs Disziplinen, die der Aachen-Laurensberger Rennverein im Spätsommer 2026 in derselben Anlage austrägt. Beide Großereignisse im klassischen CHIO-Slot wären nicht zu stemmen gewesen.

Sportlich ist das Niveau dennoch maximal. Im Allianz Park starten unter anderem Scott Brash, der bislang einzige Gewinner des Grand Slam of Show Jumping, Europameister Richard Vogel, Olympiasieger Christian Kukuk, dazu Ben Maher, Steve Guerdat, Kent Farrington, Martin Fuchs und der Deutsche Daniel Deußer. Die Sportschau spricht von der „Weltspitze“ im Reitstadion - eine Konzentration, die in der Frühjahrssaison sonst nirgends erreicht wird.

Keenan setzt das Ausrufezeichen vor dem Finale

Die zweite Qualifikation zum Großen Preis am Samstag entschied die US-Amerikanerin Lillie Keenan auf ihrem Wallach Kick on für sich. Im Stechen blieb das Paar nach Angaben der Veranstalter fehlerfrei in 38,21 Sekunden - vor Abdel Said aus Belgien (39,59 Sekunden) und dem Argentinier José María Larocca. Insgesamt qualifizierten sich 13 Paare für das Stechen. Für den Sonntag, so kündigte Keenan an, sattle sie ihre zweite Spitzenstute Faster, die sie als eines der besten Pferde der Welt bezeichnet.

Aus deutscher Sicht lief der Freitag besser als die zweite Quali: Im Preis der Soers, dem Auftakt im Hauptstadion, kam Christian Ahlmann auf Sheeran WL auf Rang sechs. Den Tagessieg holte sich der Franzose Julien Épaillard mit Easy Up de Grandry in 31,12 Sekunden, knapp vor dem Iren Daniel Coyle. Richard Vogel ritt am Samstag mit United Call JPS auf Platz drei in der Qualifikation und reist damit als einer der formstärksten Heimreiter ins Sonntagsfinale.

Nahezu die geschlossene Top 25 der Welt-Rangliste reist nach Aachen.
- Aachen-Laurensberger Rennverein, Pressemitteilung zum TSCHIO 2026

Mehr als nur ein Springen

Neben dem Rolex Grand Prix steht am Sonntag um 16.25 Uhr der traditionelle „Abschied der Nationen“ auf dem Programm, mit dem die Soers ihre Reiter und Pferde verabschiedet. Am Samstagabend hatte bereits das Konzert „Pferd & Sinfonie“ das Hauptstadion bespielt, mit Isabell Werth und dem scheidenden CHIO-Dirigenten Christopher Ward. Der WDR liefert das gesamte Wochenende live, internationale Bilder gehen in mehr als 140 Länder.

Für den Aachen-Laurensberger Rennverein ist das verkürzte Format eine Generalprobe für die Weltmeisterschaften im August und September. Die Tribünenkapazität in der Soers war nach Angaben des Veranstalters für den Großen Preis weitgehend ausverkauft, Stehplätze gab es ab 13,20 Euro, Sitzplätze für Sonntag bis zu 148,50 Euro. Wer von Aachen heute Abend mit dem Rolex-Pokal abreist, dürfte für den August schon einmal markiert sein - wenn die Weltmeisterschaften an gleicher Stelle die nächste Bestandsaufnahme der Springreiter-Elite liefern.