Deutschlands Nutzfahrzeugflotte kommt bei der Hauptuntersuchung schlechter weg als vor fünf Jahren. Nach dem am Dienstag vorgelegten TÜV-Report Nutzfahrzeuge 2026 fielen 20,3 Prozent aller geprüften Fahrzeuge zwischen Kleintransportern und Sattelzugmaschinen mit erheblichen oder gefährlichen Mängeln durch die Prüfung; in der Klasse über 18 Tonnen liegt die Quote bei 21,8 Prozent. Die Auswertung des TÜV-Verbandes stützt sich auf rund 2,4 Millionen Prüfungen aus den Jahren 2024 und 2025.
Für die Prüforganisationen ist der Befund vor allem ein Alterungsproblem. „Auch Nutzfahrzeuge werden immer älter. Mit 8,9 Jahren sind sie heute im Schnitt ein volles Jahr älter als noch vor zehn Jahren“, sagte TÜV-Verband-Geschäftsführer Joachim Bühler bei der Vorstellung des Reports in Berlin. Bei zehn Jahre alten schweren Lkw steigt die Mängelquote bereits auf 28,5 Prozent - fast ein Drittel der Fahrzeuge kommt in dieser Altersklasse nicht ohne Beanstandung durch die Prüfung.
Auch Nutzfahrzeuge werden immer älter. Mit 8,9 Jahren sind sie heute im Schnitt ein volles Jahr älter als noch vor zehn Jahren.
Am besten schneidet die mittlere Gewichtsklasse zwischen 7,5 und 18 Tonnen ab: Hier lag die Quote der erheblichen Mängel bei 16,3 Prozent, der niedrigste Wert im Report. Häufigste Beanstandungen sind laut TÜV Ölverluste, defekte Beleuchtungsanlagen und Mängel an Radaufhängung und Federung. Richard Goebelt aus der TÜV-Verband-Geschäftsführung mahnte, technische Defekte seien im Nutzfahrzeugverkehr eine unmittelbare Gefahr; Wartung, Pflege und eine unabhängige Prüfung seien für den Fuhrpark unerlässlich.
Auffällig: chinesischer Elektrotransporter
Deutlich außer der Reihe bewegt sich ein Modell aus China. Der Maxus Deliver 9 des SAIC-Konzerns fiel selbst bei ein bis zwei Jahre alten Fahrzeugen mit 33,6 Prozent erheblichen Mängeln auf - besonders bei den Bremsanlagen. Die TÜV-Prüfer verweisen darauf, dass Nutzfahrzeuge mit hohen Laufleistungen belastet werden, während die durchschnittliche Fahrleistung in vier bis fünf Jahre alten Klassen seit 2021 um neun bis 13 Prozent gesunken sei. Die Kombination aus alternden Flotten und geringerer Auslastung führe dazu, dass Verschleiß später bemerkt werde.
Der Report erscheint in einer Woche, in der der Bundestag den Haushalt 2027 debattiert und über Investitionen in Straße, Schiene und Fuhrpark verhandelt. Für die Speditionsbranche, die seit dem CO2-Preis für Lkw-Maut und höheren Energiekosten unter Druck steht, verschärft der TÜV-Befund die Diskussion um Ersatzinvestitionen. Der TÜV-Verband plädiert für eine bundesweite Datenbasis zum Fahrzeugalter im gewerblichen Verkehr, um Kontrolldichte und Anreize für Modernisierung besser aufeinander abzustimmen.