Der tunesische Fußballverband hat sich am Montag von Nationaltrainer Sabri Lamouchi getrennt - keine 24 Stunden nach der 1:5-Niederlage gegen Schweden zum WM-Auftakt im Estadio BBVA in Monterrey. Lamouchi ist damit der erste Cheftrainer, der bei dieser Weltmeisterschaft seinen Posten verliert. Wie der Kicker am Montagnachmittag berichtete, soll Mondher Kebaier, der die Mannschaft bereits von 2019 bis 2022 betreute, als Interimslösung übernehmen. Kebaier ist als technischer Direktor ohnehin Teil der Delegation in Mexiko.

Lamouchi, 53, hatte das Amt erst im Januar 2026 übernommen. Damit endet seine Amtszeit nach knapp fünf Monaten und nur einem WM-Pflichtspiel. Gegen Schweden hatten die Tunesier zur Pause durch Innenverteidiger Omar Rekik nach einer Ecke noch zum 1:2 verkürzt, bevor Viktor Gyökeres, Mattias Svanberg und der Doppeltorschütze Yasin Ayari die Partie in der zweiten Halbzeit auf 5:1 stellten. Sky Sport Austria zitiert aus dem Lager des Verbandes von einer „Krisensitzung der Verbandsspitze“ am Montag, in der die Trennung beschlossen wurde.

Was Kebaier in zwei Wochen schaffen muss

Die Lage in der Gruppe F ist sportlich nicht hoffnungslos. Schweden hat mit dem Kantersieg vorgelegt, die Niederlande und Japan trennten sich am Samstag 2:2. Tunesien trifft am Samstag, 20. Juni, in Atlanta auf Japan, danach am 25. Juni in Houston auf die Niederlande - beide Spiele entscheiden über das Achtelfinale. Kebaier, 56, gilt im tunesischen Verband als ruhiger Pragmatiker. Bei der WM 2022 in Katar führte er die Mannschaft zwar nicht in die K.-o.-Runde, schaffte aber den prestigeträchtigen 1:0-Sieg gegen den späteren Vize-Weltmeister Frankreich. Wie Flashscore berichtet, soll der neue Coach bereits am Dienstag das erste Training in Mexiko leiten.

Dass ein Verband schon nach dem ersten Gruppenspiel die Reißleine zieht, ist auch im Vergleich der jüngsten WM-Turniere ungewöhnlich. In Katar 2022 wurde der erste Trainer - Saudi-Arabiens Hervé Renard - erst nach dem Turnier abberufen, in Russland 2018 dauerte es bis zum Achtelfinal-Aus. Die Tages-Anzeiger ordnet ein, dass die Entscheidung im Verband bereits in der Nacht zum Montag gefallen sei und dass der Druck durch tunesische Medien und Sponsoren erheblich gewesen sei. Lamouchi hatte das Team in den Vorbereitungsspielen über Marokko und Algerien zwar zu Achtungserfolgen geführt, in der WM-Generalprobe gegen Norwegen aber 0:3 verloren.