Der US-Konzern Uber übernimmt den Berliner Essenslieferanten Delivery Hero. Am Donnerstagabend legten beide Unternehmen ein gemeinsam ausgehandeltes Übernahmeangebot vor: 41,50 Euro je Aktie in bar, insgesamt rund 13 Milliarden Euro. Nach eigener Darstellung entsteht damit „die weltgrößte Mobilitäts- und Lieferplattform“ mit Präsenz in 99 Märkten und einem kombinierten Pro-forma-Bruttoumsatzvolumen von 236 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025. Der Zusammenschluss muss noch von der Europäischen Kommission und weiteren Wettbewerbsbehörden freigegeben werden.
Uber hielt bereits vor der Ankündigung rund 25 Prozent der Delivery-Hero-Aktien sowie weitere rund zwölf Prozent über derivative Finanzinstrumente, wie „heise online“ berichtete. Als Schlüssel für den Deal gilt der Ausstieg des niederländischen Ankeraktionärs Prosus, der etwa 17 Prozent hält und sich vertraglich zum Verkauf seiner Position verpflichtet hat. Hintergrund ist Prosus' eigene Milliardenübernahme des niederländisch-britischen Konzerns Just Eat Takeaway, der in Deutschland als Lieferando aktiv ist - die neue Wettbewerbslage zwang Prosus zur Trennung von Delivery Hero.
Für Berlin und den schwedischen Firmengründer Niklas Östberg soll sich vorerst wenig ändern. Uber hat zugesagt, den Hauptsitz von Delivery Hero in der Hauptstadt zu erhalten und bis mindestens 2029 keine Änderungen an der dortigen Belegschaft vorzunehmen. Darüber hinaus verpflichtete sich der US-Konzern nach Angaben des „Tagesspiegel“ zu Investitionen von zwei Milliarden Euro in Deutschland über die kommenden fünf Jahre.
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Kartellauflagen: Verkauf in 14 Ländern
Um kartellrechtliche Bedenken auszuräumen, trennt sich Delivery Hero vor Vollzug des Zusammenschlusses von seinem operativen Geschäft in 14 Staaten, in denen der Konzern bisher mit Uber Eats konkurriert. Betroffen sind neben Österreich, Griechenland und Norwegen auch Chile, Ecuador, Moldau, Polen, Portugal, Rumänien, Schweden, Spanien, Tschechien, Zypern und die Türkei. Käufer ist die New Yorker Beteiligungsgesellschaft SSW Partners, die für das Paket rund 1,4 Milliarden Euro zahlt. Uber Eats hatte zuvor bereits den Rückzug aus fünf geplanten europäischen Märkten angekündigt, um den Weg für die Transaktion zu ebnen.
Aktie notiert unter Angebotspreis
Am Kapitalmarkt fiel die Reaktion verhalten aus. Die Delivery-Hero-Aktie schloss am Donnerstag mit 37,90 Euro rund 0,7 Prozent im Minus - deutlich unter dem Übernahmegebot von 41,50 Euro. Analysten werteten die Diskrepanz als Signal, dass Investoren Zweifel an einer reibungslosen Umsetzung oder an der endgültigen Bewertung des Deals hätten. Zum Vergleich: Im April hatte das Papier zeitweise unter 20 Euro notiert, nach dem Bekanntwerden erster Uber-Avancen hatte sich der Kurs innerhalb weniger Wochen verdoppelt.
Delivery Hero wurde 2011 in Berlin gegründet und wuchs durch Zukäufe und Auslandsbeteiligungen zu einem der weltweit größten Lieferdienste. Zum Portfolio zählen unter anderem Foodpanda in Asien, Talabat auf der arabischen Halbinsel und PedidosYa in Lateinamerika. Im heimischen deutschen Markt hatte sich der Konzern bereits 2018 zurückgezogen und die Marken Foodora und Lieferheld an Just Eat Takeaway verkauft. Uber Eats wiederum ist als eigenständiger Anbieter unter anderem in Frankreich und Großbritannien aktiv, in Deutschland bislang jedoch nicht. Erst durch die Übernahme erhält der US-Konzern Zugriff auf das Delivery-Hero-Netzwerk in mehr als 70 Ländern.