Uber zieht seine europäische Wachstumsstrategie zusammen. Wie die „Financial Times“ am Sonntag berichtete, verzichtet der US-Konzern in fünf von sieben geplanten Ländern auf den Start seines Essenslieferdienstes Uber Eats. Betroffen sind laut Bericht Österreich, Norwegen, Griechenland sowie zwei weitere Märkte, die das Blatt nicht namentlich nennt. Ausschlaggebend sei die im Mai eingeleitete Übernahme des Berliner Konkurrenten Delivery Hero, die den Konzern zu einer Neuordnung der eigenen Prioritäten zwinge.
Ursprünglich hatte Uber Eats den Markteintritt im Februar in sieben europäischen Ländern angekündigt. Neben den nun pausierten Staaten standen Dänemark, Finnland, Tschechien und Rumänien auf der Liste. In Dänemark und Finnland läuft der Start laut FT weiter - beide Märkte bewertet der Konzern demnach als „großen Erfolg“. Die freigewordenen Ressourcen sollen in Länder fließen, in denen der Dienst bereits aktiv ist. Über einen Zeitraum von drei Jahren hatte Uber die europäische Expansion nach eigenen Angaben mit einem Bruttobuchungsvolumen von rund einer Milliarde US-Dollar veranschlagt.
Delivery-Hero-Deal als Auslöser
Der Vorstoß zur Delivery-Hero-Übernahme wurde Ende Mai bekannt. Uber legte damals ein indikatives Angebot von 33 Euro je Aktie vor, was den Berliner Anbieter mit rund neun Milliarden Euro bewertet. Delivery Hero ist im MDax notiert und betreibt Bestellplattformen wie Foodpanda, Talabat und Glovo in gut 70 Ländern. Aus dem deutschen Heimatmarkt hatte sich der Konzern bereits vor Jahren zurückgezogen und konzentriert sich seither auf Süd- und Osteuropa, den Nahen Osten sowie Lateinamerika. Für Uber ist der Zugriff auf dieses internationale Netz strategisch wertvoller als der isolierte Aufbau eigener Uber-Eats-Marken in kleineren europäischen Ländern.
An der Börse gilt der Deal noch nicht als gemachte Sache. Die Delivery-Hero-Aktie notierte zuletzt bei knapp 39 Euro und damit spürbar über dem Uber-Angebotspreis - ein Signal dafür, dass die Anleger auf eine Nachbesserung oder ein Konkurrenzangebot spekulieren. Uber selbst hatte parallel Anteile des Hongkonger Investors Aspex zu einem Preis von knapp 40 Euro nachgekauft und seinen Stimmrechtsanteil damit auf 24,99 Prozent aufgestockt, wie das Unternehmen der Finanzaufsicht meldete. Wirtschaftlich kontrolliert Uber inzwischen 36,83 Prozent der Anteile.
Prosus als Gegenspieler
Als Konkurrent positioniert sich der niederländische Investor Prosus, bislang größter Einzelaktionär von Delivery Hero. Nach Berichten der „Börsen-Zeitung“ prüft der Konzern, seine Beteiligung weiter auszubauen und ein alternatives Übernahmeangebot vorzulegen. Ein solcher Schritt dürfte allerdings kartellrechtliche Fragen aufwerfen, da Prosus in Europa an mehreren Lieferdiensten beteiligt ist. Auch das Uber-Angebot muss eine wettbewerbsrechtliche Prüfung durchlaufen - Delivery Hero operiert in mehreren Regionen praktisch ohne Konkurrenz.
Für die abgesagten Startländer ist der Rückzug ein Rückschlag. In Österreich hatte Uber Eats den Marktstart für 2026 bereits öffentlich angekündigt, in Norwegen und Griechenland galten die Vorbereitungen intern als Bindeglied in Richtung Skandinavien und Südeuropa, wo Wettbewerber wie Wolt und efood den Markt beherrschen. Ob und wann die Expansion nachgeholt wird, ließ Uber offen. Die Nachrichtenagentur Reuters wies am Sonntag darauf hin, den FT-Bericht bislang nicht unabhängig verifiziert zu haben; eine offizielle Stellungnahme des Konzerns lag zunächst nicht vor.