Am Sonntag wurde Udo Lindenberg 80 Jahre alt. Einen Tag später räumte die ARD dafür ihr Hauptprogramm: Statt „Hart aber fair“ lief am Montagabend um 20.15 Uhr die Dokumentation „UDO Rebell. Rockstar. Ikone“, die auch in der ARD-Mediathek abrufbar ist. Der Film zeichnet die musikalischen Meilensteine des Hamburgers nach, spart aber auch die dunklen Kapitel seines Lebens nicht aus. Die mediale Dichte rund um den runden Geburtstag trieb in diesen Tagen auch die Aufrufzahlen seines Wikipedia-Eintrags nach oben.
Lindenberg, geboren am 17. Mai 1946, begann in den 1960er-Jahren als Schlagzeuger und nahm Anfang der 1970er seine ersten eigenen Platten auf. Er machte deutschsprachigen Rock massentauglich; sein „keine Panik“ wurde schon in den Siebzigern zur stehenden Redewendung. Mit Stücken wie dem „Sonderzug nach Pankow“ verhandelte er die deutsche Teilung popmusikalisch. Das ZDF beschreibt ihn anlässlich des Geburtstags als „Musiker, Kunstfigur, politische Stimme und Maler“ - eine Vierfachrolle, die kaum ein anderer deutscher Künstler über so viele Jahrzehnte zusammengehalten hat.
Die Würdigungen sind entsprechend umfangreich. Lindenberg erhielt das Bundesverdienstkreuz 1989 und erneut 2019, 2022 wurde er Ehrenbürger Hamburgs - nach Johannes Brahms erst der zweite Musiker, dem die Stadt diese Ehre zusprach. Den ersten Nummer-eins-Hit seiner Karriere landete er mit 76 Jahren im Duett mit dem Rapper Apache 207. Künstlerisch sieht er sich selbst weniger als Nostalgiker denn als Konstrukteur: „Ich steh total auf Erfinder wie Daniel Düsentrieb, die großen Erfinder, und ich bin eben auch Erfinder“, sagte er dem ZDF.
Ich habe kein Problem mit dem Alter. Das Alter hat eher ein Problem mit mir.
Kein Gedanke an den Ruhestand
An ein Ende denkt Lindenberg nicht. „Ich habe kein Problem mit dem Alter. Das Alter hat eher ein Problem mit mir“, sagte er t-online mit Blick auf den Achtzigsten; Musik wolle er „weiter bis 130“ machen, wie er dem Boulevardportal Promiflash sagte. Auch der Malerei, die ihn seit Jahren beschäftigt, bleibt er treu: „Die Malerei hat mich sehr in den Bann gezogen. Finde ich absolut faszinierend“, so der Musiker. Sein Leitsatz für die kommenden Jahre: „Man muss Visionen haben, auch für übermorgen.“
Begleitet wird das Jubiläum von einem Reigen an Aktionen, vor allem in Hamburg. Die Galerie stilwerk widmet ihm bis zum 4. Oktober die Ausstellung „Udoversum“ mit Bühnenkostümen, alten Fotos und Gemälden, der Hamburger Nahverkehr legte einen Sonderbus auf, und das Panoptikum gewährte zum Geburtstag freien Eintritt. Zudem erschien das Tribut-Album „We love Udo“, auf dem unter anderem Tokio Hotel, Peter Maffay, Ina Müller, Zoe Wees und Max Giesinger seine Songs neu interpretieren. In den Mid-Week-Charts kam die Platte laut bigFM zunächst nur auf Rang drei - der Jubilar selbst dürfte das mit dem ihm eigenen Gleichmut quittieren.