Um 13:46 Uhr Ortszeit meldete die britische Flugsicherung National Air Traffic Services (NATS) am Dienstag einen technischen Fehler in ihrem Flugverarbeitungssystem und schränkte den Verkehr im gesamten britischen Luftraum ein. Bis das Unternehmen nach eigenen Angaben um 16:40 Uhr eine Reparatur ausrollte, hatten Fluggesellschaften nach Daten von Flightradar24 mindestens 625 Verbindungen gestrichen und mehr als 1.000 verspätet. Betroffen waren nach Angaben von Aerotime unter anderem Heathrow, Gatwick, Manchester, Stansted, Edinburgh, Birmingham, Bristol, Luton, London City und mehrere schottische Flughäfen.
Ryanair meldete am Abend, mehr als 65.000 Passagiere seien von Verspätungen von bis zu acht Stunden betroffen, mindestens 50 Verbindungen habe man streichen müssen. Chief Operations Officer Neal McMahon erneuerte in einer Stellungnahme die Kritik an der Flugsicherung: „Nach dem Zusammenbruch 2023 wurde uns gesagt, man werde daraus lernen. Und nun sind wir wieder hier.“ Der Konzern forderte den Rücktritt von NATS-Chef Martin Rolfe.
Wir entschuldigen uns aufrichtig für die Störung der Reisen der Menschen heute.
Auch Wizz Air griff die Behörde an und nannte NATS gegenüber der Fachpublikation Aerotime „nicht mehr tauglich für den Zweck“. British Airways und andere Carrier meldeten ebenfalls Ausfälle. Die britische Zivilluftfahrtbehörde CAA verlangte nach Angaben von Aerotime einen vollständigen Vorfallsbericht, um über weitere regulatorische Schritte zu entscheiden. Zur Ursache des Softwarefehlers äusserte sich NATS am Dienstag zunächst nicht.
Wiederholung eines bekannten Problems
Für die Fluggesellschaften wiegt schwer, dass NATS bereits im August 2023 einen mehrstündigen Systemausfall hatte, der damals rund 700.000 Passagiere traf und die Branche einen dreistelligen Millionenbetrag kostete. Seither ist die Regulierung des staatlich-kommerziell aufgestellten Anbieters, der en-route-Dienste für den britischen Luftraum und Kontrollleistungen für 16 Flughäfen erbringt, immer wieder in der Diskussion. Der Betrieb erholte sich am späten Nachmittag zwar, Rückstaus bei Umläufen und Crews wirkten aber bis in den Abend nach. Ryanair kündigte an, Entschädigungsansprüche gegen NATS zu prüfen.
Ob deutsche Drehkreuze indirekt betroffen waren, war am Dienstagabend nicht abschliessend zu beziffern. Britische Ziele wie London-Heathrow gehören zu den wichtigsten Umsteigepunkten für Passagiere aus Frankfurt und München, Ausfälle auf der Insel wirken sich üblicherweise mit einigen Stunden Verzögerung auf die Umlaufpläne der Airlines im europäischen Raum aus.