Julia Ulbricht hat am Sonntagnachmittag im Alexander Stadium von Birmingham die vielleicht überraschendste Medaille der bisherigen Leichtathletik-EM gewonnen. Die 25-jährige Speerwerferin vom 1. LAV Rostock warf ihren ersten Versuch auf 61,53 Meter - eine Weite, die im Finale nicht mehr übertroffen wurde. Nur die Olympiasiegerin Sara Kolak aus Kroatien flog mit 62,43 Metern weiter. Bronze holte sich die Serbin Adriana Vilagos mit 60,93 Metern, wie sportschau.de und leichtathletik.de aus Birmingham berichten.
Für Ulbricht ist es das erste große internationale Podest ihrer Karriere - bei ihrem ersten Auftritt in einem EM-Finale. Nur fünf Zentimeter fehlten zu ihrer persönlichen Bestleistung, die sie drei Wochen zuvor mit dem Sieg bei den Deutschen Meisterschaften aufgestellt hatte. „Ich wollte immer eine Medaille auf der internationalen Bühne gewinnen“, sagte sie nach dem Wettkampf im Interview mit der Sportschau. „Ich kann es nicht fassen und bin einfach nur glücklich.“
Ich wollte immer eine Medaille auf der internationalen Bühne gewinnen. Ich kann es nicht fassen und bin einfach nur glücklich.
Ohne Kaderfördergeld, mit Nebenjob zur Miete
Ulbrichts Weg dorthin war alles andere als selbstverständlich. Wie der Tagesspiegel und leichtathletik.de berichten, hatte sie im vergangenen Jahr den Bundeskader verloren und damit auch jede Sportförderung. Zeitweise habe sie einen Nebenjob angenommen, um die Miete zu bezahlen, sagte die Rostockerin. „Ehrlich gesagt waren die letzten Jahre sehr schwer für mich. Ich war an dem Punkt, ans Aufhören zu denken. Aber mein Traum ist es, zu Olympia zu kommen. Deshalb habe ich weitergekämpft.“
Erste deutsche Speerwurf-Medaille seit Hussong 2018
Sportlich reiht sich Ulbricht in eine kleine Reihe ein. Als bislang letzte deutsche Speerwerferin hatte 2018 Christin Hussong bei der Heim-EM in Berlin Edelmetall gewonnen - damals Gold. Für den Deutschen Leichtathletik-Verband ist die Silbermedaille zudem die vierte Wurfmedaille dieser Titelkämpfe, nachdem Julian Weber am Freitag mit 90,40 Metern EM-Gold bei den Männern verteidigt und Nick Thumm Silber geholt hatte. Ulbricht wird nun als Sportsoldatin oder mit einem neuen Kader-Status auf die Rückkehr in die Förderung hoffen können - und auf ihren nächsten großen Wurf: die WM 2027 in Tokio.