Die Generalversammlung der Vereinten Nationen hat am Donnerstag in New York mit deutlicher Mehrheit eine Reform der weltweit gebräuchlichen Weltkarte beschlossen. Mit 164 Ja-Stimmen, einer Nein-Stimme und sechs Enthaltungen nahm das Gremium die von Togo im Namen der Afrikanischen Union eingebrachte Resolution „Correct the Map“ an. Sie ruft Regierungen, internationale Organisationen, Schulen, Medien und Technologiekonzerne dazu auf, künftig flächentreue Kartenprojektionen wie die Equal-Earth-Projektion zu verwenden, wenn die tatsächlichen Größenverhältnisse der Kontinente relevant sind. Verpflichtend ist der Beschluss nicht, ein Verbot der weit verbreiteten Mercator-Projektion enthält er ebenfalls nicht.
Die einzige Nein-Stimme kam aus Washington. Die US-Delegation begründete ihre Ablehnung damit, dass die Resolution eine „ideologische Agenda“ verfolge und von zentralen Themen internationaler Zusammenarbeit ablenke. Enthalten haben sich nach Angaben der Nachrichtenagentur AFP Estland, Georgien, Litauen, Moldau, Serbien und die Ukraine. Der togoische Außenminister Robert Dussey sprach nach der Abstimmung von einem „historischen Moment“. Die Welt habe sich „für eine Korrektur der Karte entschieden“, sagte Dussey vor der Vollversammlung. „Es geht um Gerechtigkeit, Würde, Gleichberechtigung.“ Karten prägten „unser Verständnis der Welt“, betonte er in seiner Rede zur Einbringung des Antrags.
Historischer Moment: Die Welt hat sich für eine Korrektur der Karte entschieden.
Was die Mercator-Karte verzerrt
Kern der afrikanischen Kritik ist die seit dem 16. Jahrhundert dominierende Mercator-Projektion, die Flächen mit zunehmendem Abstand zum Äquator stark vergrößert. Auf einer klassischen Mercator-Weltkarte erscheint Grönland ähnlich groß wie der gesamte afrikanische Kontinent, obwohl Afrika in Wirklichkeit rund vierzehnmal größer ist. Die Afrikanische Union argumentiert, diese Verzerrung präge seit Generationen die Wahrnehmung Afrikas in Bildung, Medien und Politik. Die Equal-Earth-Karte, 2018 von den Kartografen Bojan Šavrič, Bernhard Jenny und Tom Patterson entwickelt, bewahrt dagegen die realen Flächenverhältnisse. Als ästhetisches Vorbild diente die Robinson-Projektion, deren gefällige Form die Entwickler übernahmen, ohne deren Flächenverzerrung mitzuschleppen.
Deutschland hat den Wechsel in Teilen vorweggenommen. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) veröffentlichte bereits im Frühjahr 2026 eine offizielle Weltkarte in Equal-Earth-Projektion und begründete den Schritt mit dem Ziel, „die bisher verzerrte Weltdarstellung“ zu korrigieren. Der Kartograf Lorenz Hurni von der ETH Zürich verwies gegenüber der SRF darauf, dass die Wahl der Projektion immer vom Zweck einer Karte abhänge; für Größenvergleiche zwischen Kontinenten sei Equal Earth „flächentreu“ und zeige „alle Kontinente und Länder im korrekten Flächenverhältnis zueinander“. Für die Navigation, für die Mercators winkeltreue Darstellung ursprünglich entwickelt wurde, bleibt seine Projektion weiterhin ohne Alternative.
Wie schnell große Kartendienste wie Google Maps oder Apple Maps auf den UN-Beschluss reagieren, ist offen. Google verwendet für die weltweite Ansicht seiner Karten bislang eine Variante der Mercator-Projektion. Die Resolution selbst enthält weder Fristen noch Sanktionsmechanismen - ihre Wirkung entfaltet sie über den politischen Druck einer nahezu einstimmigen Vollversammlung.