Erstmals seit mehr als zehn Jahren ist die Zahl der Vertriebenen weltweit gesunken. Das geht aus dem Global-Trends-Bericht hervor, den UN-Flüchtlingshochkommissar Barham Salih am Mittwoch in Genf vorstellte. Demnach lebten Ende 2025 weltweit rund 117,8 Millionen Menschen auf der Flucht oder als Binnenvertriebene - rund vier Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Die Zahl der Flüchtlinge im engeren Sinne sank um drei Prozent auf 41,6 Millionen, wie der Tagesspiegel unter Berufung auf die Erhebung berichtet.
Hinter dem Rückgang stehen ungewöhnlich hohe Rückkehrbewegungen: 14,7 Millionen Vertriebene gingen 2025 in ihre Herkunftsregionen zurück, darunter 4,4 Millionen Flüchtlinge und 10,3 Millionen Binnenvertriebene. Die größten Bewegungen verzeichnete das UNHCR aus Syrien, Afghanistan und dem Sudan. Demgegenüber flohen im selben Zeitraum nach Angaben der Agentur 5,4 Millionen Menschen über Grenzen hinweg in andere Länder.
„Viele wurden zurückgedrängt“
Salih, seit 2026 im Amt, warnte davor, die Statistik als Wendepunkt zu deuten. „Viele Geflüchtete wurden aus Iran und Pakistan zwangsweise nach Afghanistan zurückgeschickt“, sagte er nach Angaben des Schweizer Rundfunks SRF bei der Vorstellung des Berichts. Insgesamt verlasse etwa jeder vierte Rückkehrer sein Aufnahmeland nicht freiwillig. Rund 70 Prozent der Flüchtlinge lebten bereits seit mindestens fünf Jahren im Exil, meist in armen Nachbarstaaten und angewiesen auf humanitäre Hilfe.
Asyl und Flüchtlingsschutz retten Leben und dürfen nicht zur Verhandlungsmasse werden.
Die wichtigsten Aufnahmeländer bleiben Kolumbien mit 2,8 Millionen, Deutschland mit 2,7 Millionen und die Türkei mit 2,4 Millionen registrierten Flüchtlingen, wie aus den Tagesspiegel vorliegenden Zahlen hervorgeht. Gleichzeitig sank die Zahl der Resettlement-Plätze, also der vereinbarten Aufnahmen aus Erstzufluchtsstaaten, im vergangenen Jahr auf rund 81.800 - knapp die Hälfte des Vorjahreswerts.
Zehn-Jahres-Ziel des UNHCR
Salih kündigte ein Zehn-Jahres-Ziel an: Bis 2035 soll die Zahl der Menschen, die viele Jahre vertrieben sind und auf humanitäre Hilfe angewiesen bleiben, mehr als halbiert werden. Der Hochkommissar setzt dafür auf Bildung und Arbeitszugang in den Aufnahmeländern, humanitäre Visa und Rückkehrhilfen. Humanitäre Hilfe rette Leben, „aber sie ermöglicht es den Menschen nicht, ihr Leben selbstbestimmt zu gestalten“, sagte Salih nach Angaben des UNHCR Deutschland. Ohne grundlegende Veränderung blieben Geflüchtete im Status quo gefangen - und der nächste Anstieg wäre nur eine Frage politischer Eskalationen, nicht der Demografie.