Auf der Bundesstraße 35 zwischen Bruchsal und Heidelsheim sind am Wochenende zwei Menschen gestorben. Ein 65-jähriger Autofahrer geriet bei Aquaplaning in den Gegenverkehr und stieß frontal mit einem entgegenkommenden Wagen zusammen. Der 55 Jahre alte Fahrer und seine ein Jahr jüngere Beifahrerin starben noch am Unfallort, der Verursacher wurde schwer verletzt mit einem Rettungshubschrauber in eine Klinik geflogen. Die Polizei sperrte die B35 nach Angaben der Nordwest-Zeitung für mehrere Stunden.
Der Unfall steht am Ende einer Unwetterserie, die seit Freitagabend von Nordrhein-Westfalen bis Niederbayern Schäden hinterlassen hat. Wie wir am Freitag berichteten, hatte der Deutsche Wetterdienst die rote Warnstufe 3 ausgerufen und vor schweren Gewittern, Hagel und Orkanböen gewarnt. Die Front zog am Freitagabend über den Nordwesten, verlagerte sich am Samstag in die Mitte und erfasste am Sonntag den Süden.
Allein in Münster verzeichnete die Feuerwehr in der Nacht zum Samstag laut wetter.com mehr als 120 Einsätze und rief die Bevölkerung auf, zu Hause zu bleiben und Fenster geschlossen zu halten. Zwei Ruderer, die auf der Werse vom Sturm überrascht wurden, mussten sich an einen Baum klammern, bis Einsatzkräfte sie aus dem Wasser holten. In Witten klemmte ein Autofahrer auf einer überfluteten Straße fest, kletterte auf das Dach seines Wagens und wurde unverletzt geborgen.
Im Kreis Soest 350 Einsatzkräfte
Im Kreis Soest waren rund 350 Helferinnen und Helfer im Einsatz, davon etwa 50 in Lippstadt. In der Region Osnabrück zählte die Polizei rund 100 Einsätze, die Bremer Feuerwehr 26. Drei Bahnstrecken im Sauerland - Soest-Dortmund, Soest-Hamm und Soest-Lippstadt - waren wegen abgerissener Oberleitungen gesperrt. Auch der Regionalexpress RE 6 zwischen Hamm und Minden fiel aus, die ICE-Verbindungen Osnabrück-Münster und Dortmund-Bremen waren unterbrochen.
Der eigentliche Zündfunke ist der Zusammenprall dieser beiden Luftmassen.
Der Diplom-Meteorologe Dominik Jung erklärte gegenüber t-online, das Aufeinandertreffen feuchtwarmer Subtropen- und kühler Atlantikluft habe die Voraussetzungen für rotierende Superzellen geschaffen, die Hagel und Sturmböen bündeln.
Süden zieht nach
Am Sonntag verlagerten sich die Schwerpunkte nach Süden. Auf der A3 bei Velburg in der Oberpfalz knickten drei Strommasten um. In Mittelfranken zählten die Feuerwehren 63 Einsätze; in Weihenzell beschädigte ein Baum das Dach eines Restaurants. In Bayreuth fiel ein 15 Meter hoher Baum auf fünf parkende Autos, der Schaden wird auf rund 25.000 Euro geschätzt. In Niederbayern, zwischen Straubing und Passau, rückten Einsatzkräfte mehr als hundertmal aus. In Bogen verletzte ein herabfallender Gerüstbalken ein Ehepaar leicht, in Geiselwind schlug ein Blitz in ein Wohnhaus ein.
Der DWD warnte am Sonntagnachmittag erneut vor Unwettern der Stufe 3, mit Sturmböen bis 110 Kilometer pro Stunde und Starkregen um 30 Liter pro Quadratmeter. Für Montag erwartet der Dienst nach eigenen Angaben längere sonnige Abschnitte und kühlere Temperaturen im Südwesten, am Dienstag und Mittwoch sollen jedoch neue Gewitter aus Westen heranziehen. Der Mai 2026 endete laut DWD-Mitteilung mit einer Mitteltemperatur von 14,1 Grad - zwei Grad über dem Referenzwert von 1961 bis 1990.