Die Unwetterfront, vor der der Deutsche Wetterdienst am Mittwoch mit der Warnstufe Rot gewarnt hatte, hat mindestens ein Todesopfer gefordert. Eine 58-jährige Frau starb im rheinland-pfälzischen Waldorf, als sie unter einer überdachten Sitzgruppe Schutz vor dem Gewitter suchte und ein Baum auf die Hütte krachte. Der DWD bestätigte am Donnerstag zudem einen Tornado im brandenburgischen Fürstenwalde/Spree. Wie wir am Mittwochabend berichteten, hatte der Wetterdienst zuvor für Teile von Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz die zweithöchste Warnstufe ausgerufen.

Nach Angaben der Polizeidirektion Mayen kam die 58-Jährige am frühen Abend ums Leben, als eine 47 Jahre alte Begleiterin ebenfalls unter der Sitzgruppe stand. Die jüngere Frau erlitt schwere Verletzungen und kam ins Krankenhaus, wie unter anderem die Rhein-Neckar-Zeitung berichtete. „Wir sind noch dabei, uns einen Überblick über die Lage zu verschaffen“, sagte eine Polizeisprecherin am späten Mittwochabend der Rhein-Zeitung.

Etwa anderthalb Stunden zuvor, gegen 17:15 Uhr, war eine Windhose durch Fürstenwalde/Spree gezogen. Nach Auswertung mehrerer Videos in sozialen Medien stufte der DWD den Wirbelsturm als bestätigten Tornado ein - vorläufig mindestens Stufe IF1 auf der internationalen Fujita-Skala, was Windgeschwindigkeiten um 150 Kilometer pro Stunde entspricht. In der Stadt deckte er ein Dach ab, ein Ast durchschlug die Küchendecke eines Wohnhauses, drei Menschen wurden leicht verletzt.

Der Vorfall in Fürstenwalde ist zweifelsfrei ein Tornado.
- Deutscher Wetterdienst

Wetzlar und Westerwald am stärksten getroffen

Zu den größten Sachschäden kam es im hessischen Wetzlar. Dort beschädigte das Unwetter nach Angaben der Feuerwehr rund 60 Häuser - von einzelnen abgehobenen Dachziegeln bis zu komplett abgedeckten Dächern. Dachteile flogen bis zu 100 Meter weit, wie t-online unter Berufung auf die Einsatzkräfte berichtete. Im benachbarten Solms hoben Böen ganze Dachstühle an, mehrere Wohnhäuser sind vorerst unbewohnbar. In Laubach bei Gießen beschädigte ein umgestürzter Baum einen Gastank; die Einsatzkräfte richteten einen 200-Meter-Sperrkreis ein.

Auch im Westerwaldkreis blieben die Kräfte die halbe Nacht im Dauereinsatz. In Höhr-Grenzhausen riss der Sturm Wände aus mindestens zwei Gebäuden, in Bannberscheid deckte er Fassadenteile der Aubachhalle ab. Auf der A61 kippte im Sturm ein Lastwagen um. Der Kreis meldete „flächendeckend umgestürzte Bäume und Sturmschäden“ bei mehr als 100 Einsatzstellen sowie großflächige Stromausfälle.

Die Ausläufer der Front trafen auch Bayern. Im oberfränkischen Kronach mussten rund 3.500 Menschen ein Freiluftfest vorzeitig verlassen, die Feier lief im Innenbereich weiter. In Unterfranken meldete die Polizei mehrere von umstürzenden Bäumen beschädigte Fahrzeuge, ein Wohnmobil wurde getroffen. Für Donnerstag warnte der DWD bereits vor neuen schweren Gewittern in Baden-Württemberg und Bayern.