Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hat am Donnerstag, dem katholischen Feiertag Fronleichnam, vor schweren Gewittern in weiten Teilen Deutschlands gewarnt. In seinem Warnlagebericht von 10:30 Uhr schreibt der DWD, „Orkanböen bis 120 km/h (Bft 12) und kurzlebige Tornados“ seien „nicht ausgeschlossen“. Im Tagesverlauf zögen von Südwesten her „verbreitet Schauer und teils kräftige Gewitter“ über die Bundesrepublik.
Auslöser ist nach DWD-Angaben ein Sturmtief bei Schottland, in dessen Einflussbereich Deutschland am Donnerstag gerät. In der Spitze rechnet der Wetterdienst mit stürmischen Böen und Sturmböen zwischen 65 und 80 km/h, vereinzelt mit schweren Sturmböen um 90 km/h. Lokal seien Hagel mit kleinen Körnern und Starkregen mit rund 20 Litern pro Quadratmeter binnen kurzer Zeit möglich. Im Südosten falle die Schauer- und Gewitterneigung deutlich geringer aus, am späten Nachmittag und Abend könnten aber auch dort einzelne kräftige Zellen aufziehen.
Den Schwerpunkt der Warnungen sieht der DWD von Niedersachsen über Nordrhein-Westfalen und Hessen bis nach Westbayern und Rheinland-Pfalz. Für die DWD-Niederlassung Essen erläuterte Meteorologin Ines von Hollen gegenüber dem Soester Anzeiger, dass in einzelnen Zellen schwere Sturmböen um 110 km/h und „vereinzelte, kurzlebige Tornados“ möglich seien. Veranstalter von Fronleichnamsprozessionen und anderen Open-Air-Terminen, sagte Von Hollen dem Blatt, „brauchen ein Konzept, wo sie hinflüchten können“, wenn Blitze in der Nähe einschlagen.
Veranstalter brauchen ein Konzept, wo sie hinflüchten können.
Für Köln liegt nach Angaben der Lokalausgabe von t-online eine flächendeckende DWD-Warnung für die Zeit von zehn bis zwanzig Uhr vor, mit Böen zunächst um 60 km/h. Wetter.com-Meteorologe Alban Burster sprach am Mittwoch von einer „Unwettergefahr“ durch ein kräftiges Atlantiktief, das mit Schwerpunkt am Nachmittag heftige Schauer und Gewitter quer durch die Westhälfte ziehen lasse. Die Großstädte Düsseldorf, Köln, Frankfurt am Main und der Großraum München liegen im prognostizierten Korridor.
Dritte Unwetterfront binnen zwei Wochen
Mit den Fronleichnams-Gewittern erreicht Deutschland innerhalb von zwei Wochen die dritte ausgeprägte Unwetterlage. Bereits zum Pfingstwochenende hatte der DWD vor schweren Gewittern mit Tornadogefahr gewarnt; in der Nacht zum 1. Juni starben im baden-württembergischen Bruchsal zwei Menschen bei einem aquaplaningbedingten Verkehrsunfall, in Osnabrück schlug ein Blitz während einer Taufe in die Pauluskirche ein. Auch die jetzige Lage trägt nach DWD-Einschätzung das Risiko schwerer Sturmschäden, einzelner Tornados und örtlicher Überflutungen.
In den Alpen werde die Niederschlagsgrenze in der Nacht zum Freitag oberhalb von 2000 Metern in Schnee übergehen, fünf bis zehn Zentimeter Neuschnee seien dort möglich, schreibt der DWD. Am Freitag, so der Wetterdienst weiter, blieben vor allem im Norden und in den östlichen Mittelgebirgen örtlich markante Gewitter mit Starkregen und Böen um 65 km/h möglich. Erst zum Wochenende beruhigt sich die Lage langsam, ohne dass eine stabile sommerliche Hochdrucklage in Sicht ist.