Wenn die USA am Freitag um 21 Uhr deutscher Zeit im Lumen Field in Seattle auf Australien treffen, geht es um die vorzeitige Achtelfinal-Qualifikation des Gastgebers. Beide Mannschaften haben ihre Auftaktspiele gewonnen, beide stehen mit drei Punkten an der Spitze der Gruppe D - die Amerikaner liegen wegen des besseren Torverhältnisses (4:1 gegen Paraguay) knapp vor den Australiern (2:0 gegen die Türkei). Ein Sieg gegen die Socceroos würde Trainer Mauricio Pochettino vor dem letzten Gruppenspiel gegen Iran das Erreichen der K.-o.-Runde sichern.

Die entscheidende Personalfrage betrifft Christian Pulisic. Der Chelsea-Profi war gegen Paraguay nach 45 Minuten ausgewechselt worden, im Lauf der Woche trainierte er separat von der Mannschaft und trug eine Kompressionsmanschette an der linken Wade. Am Donnerstag äußerte sich Pochettino vorsichtig: „Er entwickelt sich. Er ist viel besser als am vergangenen Freitag“, sagte der Argentinier auf der Pressekonferenz an der University of Washington und ergänzte: „Sollte er morgen nicht zur Verfügung stehen, ist er es für das nächste Spiel.“ Die Entscheidung wolle das Trainerteam erst am Spieltag fällen.

Er entwickelt sich. Er ist viel besser als am vergangenen Freitag.
- Mauricio Pochettino, US-Nationaltrainer, über Christian Pulisic

Pochettinos voraussichtliche Elf bleibt sonst weitgehend unverändert: Matt Freese im Tor, eine Viererkette aus Sergiño Dest, Chris Richards, Tim Ream und Antonee Robinson, davor die Doppel-Sechs Tyler Adams und Malik Tillman. Bei einem Pulisic-Ausfall würden laut ESPN Brenden Aaronson, Gio Reyna oder Tim Weah die Außenposition links übernehmen, im Sturmzentrum führt kein Weg an Folarin Balogun vorbei. Der Arsenal-Stürmer hatte gegen Paraguay zwei Treffer erzielt.

Popovics Australier, abgezockt und konterstark

Auf der Gegenseite reist Australien mit dem Selbstvertrauen eines der bisher überraschendsten Spiele dieser WM an. Im Auftakt gegen die Türkei stand die Mannschaft von Trainer Tony Popovic 65 Minuten lang unter Dauerdruck, ließ 30 türkische Torschüsse zu - und gewann am Ende 2:0. Nestory Irankunda, 20 Jahre alt und mit 16 Länderspielen einer der jungen Offensivkräfte der Socceroos, hatte in der 27. Minute einen türkischen Fehlpass ausgenutzt und ins lange Eck vollendet. Den Endstand besorgte Connor Metcalfe vom FC St. Pauli mit einem Schlenzer in der 75. Minute.

Popovic dürfte die gleiche Aufstellung wie in Vancouver ins Rennen schicken: Joe Gauci im Tor, Cameron Burgess, Harry Souttar und Alessandro Circati in der Dreierkette, dazu die Außen Aiden O'Neill und Bos. Im offensiven Mittelfeld treiben Irankunda und Mohamed Touré das Tempo. Touré wird in Seattle voraussichtlich erstmals in die Startelf rücken.

Pochettino warnt vor allzu viel Bequemlichkeit: Beim letzten Aufeinandertreffen im Oktober - vom US-Verband formell als Freundschaftsspiel deklariert - sahen die Schiedsrichter 26 Fouls und zwei Gelbe Karten, am Ende setzten sich die Amerikaner 2:1 durch. „Das war kein wirkliches Freundschaftsspiel“, sagte der Coach. Sein Plan für Seattle bleibt unverändert: hoch pressen, mit Ball viel Bewegung in der Spitze, hinten kompakt stehen.

Seattle als Heimspiel

Das Lumen Field, in dem normalerweise die Seattle Sounders der MLS und die NFL-Seahawks spielen, fasst rund 69.000 Zuschauer. Tickets waren ausverkauft, der US-Verband rechnet mit einer Stimmung, wie sie zuletzt beim Copa-América-Finale 2024 in Miami zu hören war. Die Übertragung in Deutschland zeigt Das Erste, parallel laufen Streaming-Angebote über ARD-Mediathek und Joyn. Iran und Paraguay spielen am selben Tag in Houston (00 Uhr deutscher Zeit am Samstag) - das andere Spiel der Gruppe D, das in Seattle parallel auf den Bildschirmen läuft.