In der Nacht zum Dienstag misst sich der Gastgeber USA im WM-Achtelfinale mit Belgien. Anstoß im Lumen Field in Seattle ist um 17 Uhr Ortszeit, 2 Uhr deutscher Zeit. ARD und MagentaTV übertragen live. Sportlich ist es die Neuauflage des Klassikers von 2014 in Salvador, tagespolitisch aber überlagert eine Entscheidung aus Zürich das Duell: US-Stürmer Folarin Balogun darf trotz seines Platzverweises im Zwischenrunden-Spiel gegen Bosnien-Herzegowina auflaufen.

Die FIFA-Disziplinarkommission hatte Balogun am Mittwoch für ein Spiel gesperrt. Der 25-Jährige war beim 2:0 gegen Bosnien in Santa Clara in der 64. Minute nach VAR-Prüfung mit Glatt-Rot vom Platz geflogen; sein Studs waren auf den Fußknöchel von Tarik Muharemovic getreten. Am Sonntag setzte die FIFA die Sperre nach Artikel 27 des Disziplinar-Reglements zur Bewährung aus - der erste solche Fall in diesem Turnier. Wie New York Times und AP übereinstimmend berichten, hatte US-Präsident Donald Trump zuvor bei FIFA-Chef Gianni Infantino angerufen. Auf Truth Social schrieb Trump anschließend: „Danke an die FIFA, dass sie das Richtige getan und ein großes Unrecht behoben hat.“ Weder die FIFA noch das Weiße Haus haben den Anruf öffentlich bestätigt.

Ich wusste nicht, dass in den FIFA-Büros der 5. Juli inzwischen der 1. April ist.
- Rudi Garcia, Trainer Belgiens

Belgiens Verband spricht von einem Widerspruch zum Reglement

Belgiens Nationaltrainer Rudi Garcia reagierte mit Spott. Er wisse nicht, dass in den FIFA-Büros aus dem 5. Juli der 1. April geworden sei, sagte er am Sonntag; an der Vorbereitung seiner Elf ändere die Entscheidung „nichts“. Der belgische Verband RBFA zeigte sich in einer offiziellen Mitteilung „erstaunt“ und verwies auf Artikel 66.4, wonach ein glatter Platzverweis automatisch eine Sperre nach sich zieht - so sei es bei allen anderen Roten Karten dieses Turniers gehandhabt worden. Der Verband prüfe „alle Optionen“.

US-Trainer Mauricio Pochettino sprach dagegen von einer „fantastischen Entscheidung, nicht nur für uns, sondern für den Fußball“. Balogun hat in der Gruppenphase drei Tore erzielt und ist der Torschützenkönig der US-Elf. Pochettino dürfte gegen die belgische Flügelwucht mit Jérémy Doku und Leandro Trossard von seiner 4-2-3-1-Grundordnung auf ein 3-5-2 umstellen - eine Konsequenz aus dem 2:5 im März-Testspiel, in dem Doku den US-Rechtsverteidiger Timothy Weah überlaufen hatte. Innenverteidiger Mark McKenzie fällt verletzt aus.

Tielemans, Lukaku - und die Erinnerung an Tim Howard

Belgien kommt mit einer emotionalen Reise ins Achtelfinale. In der Gruppe G ein 1:1 gegen Ägypten und ein 0:0 gegen Iran, dazwischen ein 5:1 gegen Neuseeland. Im Sechzehntelfinale drehte die Elf ein 0:2 gegen Senegal: Youri Tielemans traf in der 120. Minute per Elfmeter zum 3:2 - laut Opta das späteste Tor der WM-Historie in der Herren-Konkurrenz. Torhüter Thibaut Courtois, Kevin De Bruyne und Romelu Lukaku standen bereits 2014 in Salvador im belgischen Aufgebot, als Belgien die USA nach Verlängerung 2:1 bezwang - jenes Spiel, in dem Keeper Tim Howard 16 Paraden zeigte, den 36-jährigen Rekord des Peruaners Ramón Quiroga aus dem WM-Duell mit den Niederlanden 1978 brach und mit seiner Leistung die USA zur Nation-in-Trauer machte.

In der aktuellen US-Elf spielt Christian Pulisic die zentrale Rolle im Angriff, Tyler Adams organisiert das Mittelfeld, Weston McKennie stößt aus der Halbposition nach. Die belgische Startelf soll laut Kicker und Sportschau in der Kette aus Timothy Castagne, Brandon Mechele, Arthur Theate und Maxim De Cuyper auflaufen, davor Tielemans mit Hans Vanaken als Doppelsechs, Lukaku im Sturm. Der direkte Vergleich spricht für Belgien: Sieben Duelle, sechs belgische Siege, ein US-Erfolg.

Der Sieger trifft im Viertelfinale kommenden Samstag in New Jersey auf den Gewinner des Duells zwischen Uruguay und Kamerun. Vom sportlichen Prestige her wäre für die USA damit erstmals seit 1930 das WM-Viertelfinale erreicht - für Pochettino ein Karriere-Meilenstein, für die belgische „Goldene Generation“ wohl das letzte K.o.-Fenster.