Die USA haben ihr erstes WM-K.-o.-Spiel seit 24 Jahren gewonnen. Im Sechzehntelfinale schlug die Auswahl von Mauricio Pochettino Bosnien-Herzegowina in der Nacht auf Donnerstag im Levi's Stadium in Santa Clara mit 2:0 - trotz einer Roten Karte gegen Torschütze Folarin Balogun in der 64. Minute. Nach Angaben der Sportschau ist es der erste K.-o.-Erfolg der USMNT seit dem Achtelfinal-Sieg 2002 in Südkorea. Am kommenden Dienstag trifft die Mannschaft im Achtelfinale auf Belgien.
Balogun brachte die Gastgeber kurz vor der Pause in Führung. In der 45. Minute stocherte der 24-Jährige einen abgefälschten Steilpass von Malik Tillman zwischen den Beinen von Torhüter Nikola Vasilj hindurch ins Netz, wie die Match-Analyse von FotMob rekonstruierte. Zuvor hatte ein Balogun-Treffer in der 31. Minute wegen Abseits nicht gezählt. Bis dahin hatte Bosnien in einer kompakten Fünferkette gestanden, wie es die Vorschau der Sportschau erwartet hatte, und den Amerikanern nur wenige Räume überlassen.
Nach dem Wechsel drehte sich die Partie. In der 64. Minute stieg Balogun bei einem Rückwärtslauf mit den Stollen auf den Knöchel des bosnischen Verteidigers Tarik Muharemović. Nach VAR-Überprüfung zeigte der Schiedsrichter glatt Rot. Damit ist Balogun im Achtelfinale gegen Belgien gesperrt. FotMob rechnete vor: Er ist der erste Spieler, der in einem WM-K.-o.-Spiel trifft und die Rote Karte sieht, seit Zinedine Zidane im Finale 2006.
Das Spiel hat unseren Charakter gezeigt. Wir sind immer füreinander da.
Die 26 Minuten in Unterzahl überstanden die USA nicht defensiv, sondern durch einen einzigen Standard: In der 82. Minute wurde Sergiño Dest am Strafraum von Stjepan Radeljić am Trikot gehalten, es gab Freistoß aus rund 20 Metern halblinks. Tillman schlenzte den Ball direkt über die Mauer in den kurzen Winkel, Vasilj kam nicht mehr hin. Nach Recherche von FotMob ist Tillman erst der zweite US-Amerikaner überhaupt, der bei einer WM direkt aus einem Freistoß trifft; der Erste war Eric Wynalda 1994 gegen die Schweiz. Der 24-jährige Mittelfeldspieler von Bayer Leverkusen setzte damit den entscheidenden Akzent.
Bosniens Debüt endet in Santa Clara
Für Bosnien-Herzegowina war es das erste K.-o.-Spiel der Verbandsgeschichte - und ein enttäuschendes Ende. Kapitän Edin Dzeko, mit 40 Jahren ältester Feldspieler des Turniers, verließ zu Beginn der zweiten Halbzeit verletzt den Rasen. In den Schlussminuten kamen die Bosnier durch Standards zu Möglichkeiten, brachten den Ball aber nicht mehr an Matt Turner vorbei. Trainer Sergej Barbarez, seit April 2024 auf seinem ersten Cheftrainer-Posten, hatte in der Gruppenphase mit einem 1:1 gegen Kanada, einem 1:4 gegen die Schweiz und einem 3:1 gegen Katar den Einzug als bester Gruppendritter geschafft. In Santa Clara reichte die junge Mannschaft um den 18-jährigen Kerim Alajbegović nun nicht mehr aus.
Pochettino hatte das Duell vor Anpfiff gegenüber ESPN als „das Finale der Weltmeisterschaft“ bezeichnet: Wer weiterkommen wolle, müsse „auf höchstem Niveau spielen“. Der Argentinier hatte im Vergleich zur 2:3-Niederlage gegen die Türkei nahezu die komplette Startelf umgestellt und nur Weston McKennie im Zentrum behalten - eine Rotation, die aufging. Christian Pulisic, der in der 78. Minute noch einen wegen Abseits aberkannten Treffer erzielte, war zurück in der Startelf. Am Dienstag steht das Achtelfinale gegen Belgien an, das am Mittwoch 3:2 nach Verlängerung gegen Senegal weitergekommen war. Ohne Balogun, dafür mit dem Rückenwind, den nur eine Runde weiter im eigenen Land verschafft.