Der Krieg um die Straße von Hormus hat am Wochenende eine neue Stufe erreicht. Am Samstag zerstörten US-Streitkräfte nach eigenen Angaben drei iranische Öltanker, nachdem die Revolutionsgarden zuvor ballistische Raketen auf zwei US-Marineschiffe abgefeuert hatten. Am Dienstag berichteten deutsche und internationale Medien von einem weiteren US-Schlag gegen fünf iranische Tanker und einer iranischen Vergeltung mit Raketen auf einen US-Stützpunkt in Jordanien.

Die drei am Samstag getroffenen Schiffe identifizierte das US-Zentralkommando Centcom als M/T „Downy“ vor Irans wichtigster Öl-Verladeinsel Kharg, M/T „Stark 1“ nahe Jask an der Küste des Golfs von Oman sowie den leeren Rohöltanker M/T „Kylo“, der laut Centcom im Golf von Oman komplett versenkt wurde. Die Besatzungen seien vor den Angriffen zur Evakuierung aufgefordert worden. Centcom sprach von einem „dauerhaften Ausschalten“ der beiden anderen Tanker durch Schläge „an mehreren kritischen Stellen“.

Der Kommandeur des US-Zentralkommandos, Admiral Brad Cooper, formulierte am Wochenende die neue Eskalationsdoktrin. „Wenn ihr auf zwei unserer Schiffe schießt, werden wir euch noch höhere wirtschaftliche Kosten auferlegen - indem wir drei von euren ausschalten“, zitierte ihn Al Jazeera. Die von Präsident Donald Trump gebilligte „Tanker-für-Tanker“-Politik solle Angriffe iranischer Streitkräfte auf Schiffe in der Meerenge abschrecken.

Wenn ihr auf zwei unserer Schiffe schießt, werden wir euch noch höhere wirtschaftliche Kosten auferlegen - indem wir drei von euren ausschalten.
- Admiral Brad Cooper, US-Centcom, zitiert bei Al Jazeera

Teherans Reaktion folgte am Samstagabend. Die Revolutionsgarden erklärten in einer Mitteilung, ihre Marine habe drei Öltanker auf einer „nicht autorisierten Route“ durch die Straße von Hormus sowie drei mit den USA verbundene Schiffe an anderer Stelle angegriffen. Das iranische Außenministerium sprach von einem „Kriegsverbrechen“ und drohte mit „Konsequenzen für die fortgesetzte US-Aggression“, die Washington und seine Verbündeten treffen würden. Parlamentssprecher Hassan Ghashghavi sagte, „weil Amerika weit von uns entfernt ist, sieht es diesen Krieg nicht als existenziell an“.

Ölpreis auf Sechswochen-Hoch

An den Rohstoffmärkten schlug sich die Eskalation unmittelbar nieder. Der Preis für die Nordseesorte Brent schloss am Freitag bei 96,28 US-Dollar je Barrel und damit auf dem höchsten Stand seit dem 24. Juli. Vor Kriegsbeginn im Februar hatte er noch bei etwa 70 Dollar gelegen. In den USA erreichte der Dieselpreis am Freitag mit 5,85 Dollar pro Gallone einen Rekord. Analysten hielten laut Al Jazeera einen Sprung über die Marke von 100 Dollar für möglich, sollte sich der Schlagabtausch fortsetzen.

Die Straße von Hormus ist der weltweit wichtigste Engpass für den Öl- und Flüssiggasexport - rund ein Fünftel des weltweiten Rohölhandels passiert die 55 Kilometer breite Meerenge zwischen der iranischen Küste und der zum Oman gehörenden Musandam-Halbinsel. Der Tankerverkehr ist seit Beginn der US-iranischen Kampfhandlungen Ende Februar drastisch eingebrochen und lag zuletzt bei einzelnen Fahrten pro Tag statt der üblichen 40 bis 70.

Raketen auf Jordanien

Am Dienstag meldeten deutsche Aggregatoren unter Berufung auf die FAZ, dass US-Streitkräfte fünf weitere iranische Tanker in der Straße von Hormus zerstört hätten und Teheran mit Raketen auf einen US-Stützpunkt in Jordanien reagiert habe. Nach Angaben der jordanischen Armee wurden rund zwanzig ballistische Raketen abgefangen. Der Luftwaffenstützpunkt Muwaffaq Salti nahe Azraq, Heimatbasis der jordanischen F-16-Flotte und Standort amerikanischer Kräfte, war bereits Ende August und Anfang September wiederholt Ziel iranischer Angriffe.

Damit setzt sich der Kreislauf aus Angriff und Vergeltung fort, den beide Seiten seit Wochen aufrechterhalten. Die im Juli in Katar, Ägypten und Pakistan vermittelte Waffenruhe war Mitte Juli zusammengebrochen, seither ist die Meerenge Schauplatz nahezu täglicher Zwischenfälle. Eine diplomatische Öffnung ist derzeit nicht in Sicht: Der zwischen Trump und Präsident Massud Peseschkian im Juni ausgehandelte Rahmentext von Versailles gilt als suspendiert.