Die USA haben den Iran in der Nacht zum Freitag den sechsten Tag in Folge angegriffen. Amerikanische Kampfflugzeuge trafen nach iranischen Angaben die Brücke zwischen den Hafenstädten Bandar Abbas und Shiraz, den Flughafen von Iranshahr und mehrere Ziele in der Provinz Buschehr, wo das einzige Atomkraftwerk des Landes steht. Das staatliche iranische Fernsehen meldete Explosionen in vier Stadtteilen Buschehrs sowie eine Serie von Detonationen rund um Bandar Abbas.

Nach Angaben der iranischen Nachrichtenagentur IRNA wurden bei den Schlägen mindestens zwei Menschen getötet. Ein Provinzvertreter in Buschehr sprach gegenüber dem staatlichen Sender von vier getroffenen Stadtvierteln. Das US-Kommando Centcom bestätigte laut Berichten der Tageszeitung Die Welt Angriffe auf Überwachungs- und Luftverteidigungsanlagen, militärische Logistik entlang der Straße von Hormus sowie einen Bahnknoten in Bandar Abbas.

Die Revolutionsgarden reagierten mit einer Ausweitung ihrer Vergeltung auf die arabischen Nachbarn der USA. Nach Angaben des Standard und der CNN-Liveberichterstattung schlugen iranische Raketen in Kuwait in eine Meerwasserentsalzungsanlage ein und trafen einen US-Stützpunkt in Jordanien. Die Wächter des Regimes erklärten, sie hätten die Angriffe als Antwort auf einen amerikanischen Schlag nahe einem Krebskrankenhaus für Kinder bei Ahvaz geführt.

Der Iran muss endlich verstehen, dass es ernst ist mit Verhandlungen und dass weitere militärische Schläge nicht angemessen sind.
- Johann Wadephul, Bundesaußenminister, gegenüber t-online

Aus Berlin kam eine Reaktion, die den Kurs der Bundesregierung seit Beginn der Eskalation fortschreibt. Außenminister Johann Wadephul (CDU) machte laut t-online erneut Teheran verantwortlich und rief die Führung dazu auf, den Krieg durch die Rückkehr an den Verhandlungstisch zu beenden. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte zuletzt eine diplomatische Lösung angemahnt, ohne die amerikanischen Angriffe zu kritisieren.

Trump droht mit weiteren Schlägen

US-Präsident Donald Trump verteidigte die Operationen und erklärte, das Militär und die Drohnenkapazitäten des Iran seien inzwischen weitgehend zerstört. Bei ausbleibender Verhandlungsbereitschaft aus Teheran drohte er in einer Fernsehansprache mit weiteren Angriffen auf iranische Kraftwerke und Brücken im Landesinneren. Der Ölpreis der Sorte Brent stieg nach den nächtlichen Attacken erneut, nachdem der Präsident zusätzlich einen zwanzigprozentigen Zoll auf Transit durch die Straße von Hormus ins Spiel gebracht hatte.

Am 15. Juli hatte Trump im Fox-News-Interview offen mit Schlägen gegen die iranische Grundversorgung gedroht. Zwei Tage später sind diese Ziele nun getroffen. Die Waffenruhe zwischen beiden Seiten war Anfang Juli zusammengebrochen, seither eskaliert die Konfrontation entlang des Persischen Golfs Nacht für Nacht.