Luis Díaz hat Kolumbiens WM-Auftakt entschieden. Beim 3:1 (1:0) gegen Debütant Usbekistan im Aztekenstadion bereitete der Bayern-Flügelstürmer am Donnerstagmorgen das Führungstor vor, erzielte selbst das 2:1 und traf in der 30. Minute zudem den Innenpfosten. Vor 80.824 Zuschauern in Mexiko-Stadt schoss Daniel Muñoz die Selecion in der 40. Minute per akrobatischem Volley aus kurzer Distanz in Führung, nachdem Díaz den Pass in den Strafraum gespielt hatte. Anpfiff war um 4 Uhr deutscher Zeit.
Den schönsten Moment des Abends gehörte allerdings den Underdogs. Nach einem schweren Fehler von Kolumbiens 37-jährigem Keeper Camilo Vargas, der eine flache Hereingabe mit den Knien statt mit den Händen klären wollte, köpfte Abbosbek Fayzullaev in der 60. Minute den Abpraller über die Linie. Es war Usbekistans erstes WM-Tor überhaupt. Mehr als 90 Sekunden später, in der 65. Minute, stand es jedoch wieder 1:2: Díaz nutzte einen Ballverlust im Mittelfeld, ließ Gustavo Puerta auflegen und schoss platziert ein. In der neunten Minute der Nachspielzeit traf der eingewechselte Jaminton Campaz nach Hereingabe von Cucho Hernández per Kopf zum 3:1.
Wir haben alles versucht. Aber wenn man Fehler macht, bezahlt man dafür. Ich bin trotzdem stolz auf meine Spieler.
Fabio Cannavaro, Weltmeister 2006 mit Italien und seit Oktober 2025 in Taschkent, hatte sein Team mit einem 5-3-2 in die Partie geschickt und phasenweise alle zehn Feldspieler tief im eigenen Strafraum versammelt. Der Plan ging fast eine Stunde lang auf - bis zur Pause hatte Kolumbien zwar 67 Prozent Ballbesitz, aber wenig Raum für klare Chancen, mit Ausnahme von Díaz' Pfostenschuss und Muñoz' Volleyball-Treffer. Nach Schlusspfiff fasste Cannavaro die Niederlage gegenüber der Sportschau nüchtern zusammen: er habe seinen Spielern vor dem Spiel gesagt, sie sollten die Erfahrung genießen, denn für Usbekistan sei es das erste Mal.
Kolumbien führt die Gruppe K an
Auf der Gegenseite zog Néstor Lorenzo Bilanz, der Kolumbien seit Sommer 2022 trainiert und vor dem Turnier offen das Halbfinale als Ziel ausgegeben hatte. Vor der Pressekonferenz vergangene Woche hatte Lorenzo in Bogotá gewarnt, Usbekistan habe „einen hervorragenden Trainer, mehrere Spieler mit hoher Qualität und ist eine sehr gut organisierte Mannschaft, die genau weiß, wie sie spielen möchte“. Genau diese Organisation knackte am Ende sein Bayern-Profi - Díaz schließt bei dieser WM an seine Münchner Saison an, in der er nach Kicker-Wertung Transfer der Saison war (26 Tore, 19 Vorlagen).
In der Tabelle der Gruppe K führt Kolumbien nach dem ersten Spieltag mit drei Punkten und 3:1 Toren. Portugal und die DR Kongo, die ihr Auftaktspiel am Mittwoch 1:1 trennten, folgen mit je einem Zähler, Usbekistan steht ohne Punkt da. Am Sonntag wartet auf den Debütanten Portugal um Cristiano Ronaldo, Kolumbien spielt gegen die DR Kongo. Für Cannavaro, der mit Italien dreimal in Folge die WM verpasst hat und in Taschkent eine zweite Chance bekam, beginnt damit der Realitätscheck.