Wenn am Donnerstag um 4 Uhr deutscher Zeit der Anpfiff im Aztekenstadion ertönt, ist es eine Premiere mit Symbolkraft: Usbekistan bestreitet das erste WM-Spiel seiner Geschichte - und auf der Bank sitzt mit Fabio Cannavaro ein Weltmeister von 2006. Der gleiche Cannavaro, dessen italienische Auswahl die WM 2026 zum dritten Mal in Folge verpasst hat. Während Italien zuschaut, führt der frühere Capitano nun einen Debütanten gegen Kolumbien.

Cannavaro übernahm das Amt im Oktober 2025, nachdem sich Usbekistan in der asiatischen Qualifikation hinter dem Iran direkt für das Turnier gesichert hatte - ohne Playoff. „Ich hatte mich in diesem Teufelskreis wiedergefunden“, sagte der Italiener im Frühjahr der Gazzetta dello Sport über die Phase vor dem Anruf aus Taschkent, das Angebot sei für ihn „unbezahlbar“ gewesen. Er zog mit der Familie in die usbekische Hauptstadt und reiste, wie der Eurosport berichtet, wochenlang durch das Land, um die Liga zu studieren.

Sportlich stützt sich der Aufsteiger auf wenige internationale Namen, allen voran Abdukodir Chusanov. Der 22-jährige Innenverteidiger wechselte im Januar 2025 für rund 40 Millionen Euro zu Manchester City und gewann in dieser Saison den FA Cup. Im Sturm steht Kapitän Eldor Schomurodow, mit 22 Toren in 34 Spielen Torschützenkönig der türkischen Süper Lig in Diensten von Başakşehir. Der ZDFheute zufolge spielt Cannavaro ein 4-2-3-1 mit schnellem Umschalten.

Die Usbeken sind harte Kämpfer und unangenehme Gegner.
- Fabio Cannavaro, gegenüber der Gazzetta dello Sport

Auf der anderen Seite tritt eine Selecion an, die nach dem Fehlen in Katar wieder dabei ist - zum siebten Mal. Trainer Néstor Lorenzo bringt mit Luis Díaz den vom Kicker zum Bundesliga-Transfer der Saison gewählten Bayern-Flügelstürmer mit (26 Tore, 19 Vorlagen in München). Kapitän James Rodríguez, inzwischen bei Minnesota United unter Vertrag, geht mit 34 Jahren wahrscheinlich in sein letztes großes Turnier. Buchmacher sehen Kolumbien klar vorn: Tipico nennt eine Siegquote um 1,38.

Höhenluft im Estadio Azteca

Die Kulisse ist eine eigene Geschichte. Das auf rund 2.200 Meter über dem Meer gelegene Aztekenstadion wurde für das Turnier umfassend renoviert und heißt seit Mai 2026 offiziell Banorte Stadium. Hier gewann Argentinien 1986 das Finale, hier köpfte Maradona die Hand Gottes. Für die WM 2026 stieg in Mexiko-Stadt das Eröffnungsspiel - jetzt folgt das nächste historische Kapitel mit einem WM-Neuling, der unter einem Weltmeister von 2006 antritt.

Für Usbekistan bedeutet ein Punkt zum Auftakt schon einen Erfolg. Im weiteren Verlauf wartet noch Portugal um Cristiano Ronaldo - das wird der schwerere Brocken. Zwischen Aztekenstadion und Cannavaros zweiter Chance liegt nun ein Spiel, auf das das ganze Land gewartet hat. Über 30 Jahre nach der Unabhängigkeit ist Usbekistan auf der größten Bühne des Fußballs angekommen.