Die Stadt Weimar hat am Samstagvormittag in der Festsitzung des Stadtrats in der Weimarhalle den Weimar-Preis 2026 an Ute Freudenberg überreicht. Die Sängerin, 1956 in Weimar geboren und vor allem durch das Lied „Jugendliebe“ bekannt, ist die erste Schlager-Künstlerin, die den seit 1990 vergebenen Hauptpreis ihrer Heimatstadt entgegennimmt. Die Verleihung ist traditionell Teil der öffentlichen Festsitzung am Tag der Deutschen Einheit.

Der Weimarer Stadtrat hatte die Entscheidung bereits am 17. Juni auf Empfehlung der Jury getroffen; Oberbürgermeister Peter Kleine informierte die Preisträgerin nach Angaben der Stadt damals persönlich über das Votum. Die Laudatio in der Weimarhalle hielt die Fernsehmoderatorin Kim Fisher, langjährige Weggefährtin Freudenbergs. Der Preis ist mit 5.000 Euro dotiert und wird alle zwei Jahre verliehen; zuletzt ging er 2024 an den Kulturmanager Bernd Kauffmann.

Ute Freudenberg studierte an der Weimarer Hochschule für Musik Franz Liszt und gehörte 1976 zu den Gründungsmitgliedern der Rockband Elefant. 1980 erschien „Jugendliebe“, bis heute ein Klassiker der DDR-Rock- und Popgeschichte. Bei einem MDR-Publikumsvoting 2005 wählten die Hörerinnen und Hörer den Titel zum beliebtesten Osthit aller Zeiten. Für ihr künstlerisches Werk hatte Freudenberg zuvor unter anderem die Goldene Henne (1998) und 2008 das Bundesverdienstkreuz am Bande erhalten.

In den vergangenen Jahren hat sich Freudenberg schrittweise von der Bühne zurückgezogen. 2023 beendete sie ihre über fünfzigjährige Bühnenlaufbahn mit einem Abschiedskonzert in der ausverkauften Alten Oper Erfurt und machte im selben Jahr ihre Parkinson-Erkrankung öffentlich. Dem Portal schlager.de schilderte sie zuletzt ihre tägliche Fitnessroutine ungewöhnlich nüchtern:

Ich springe täglich auf meinem Trampolin und spiele Tischtennis. Ich glaube, wenn man sich nicht mehr bewegt, dann rostet alles ein. Auch das Gehirn.
- Ute Freudenberg, schlager.de

MDR zeigte am Abend das Erfurter Abschiedskonzert

Zeitgleich zur Festsitzung in Weimar widmete auch das MDR Fernsehen seiner Thüringer Sängerin ein Abendprogramm: Am 3. Oktober wiederholte der Sender die Aufzeichnung des Erfurter Abschiedskonzerts vom 22. Dezember 2023, bei dem Freudenberg gemeinsam mit Christian Lais und Luna Klee das Publikum in der Alten Oper verabschiedet hatte.

Für die Stadt Weimar hat die Entscheidung über die Preisgeschichte hinaus eine kulturpolitische Dimension. Der Weimar-Preis zeichnet laut Statut eine Persönlichkeit aus, die sich um das geistige und kulturelle Ansehen der Stadt verdient gemacht hat; er ging bislang überwiegend an Vertreterinnen und Vertreter aus Hochkultur, Literatur oder Wissenschaft. Mit Freudenberg öffnet sich die Auszeichnung erstmals für die populäre Musik - und mit ihr für eine ostdeutsche Hörerinnenbiografie, die Weimar seit „Jugendliebe“ quer durch Generationen begleitet.