Elon Musk hat am 25. Juni Uwe Bolls Spielfilm „Citizen Vigilante“ für 48 Stunden in voller Länge auf X freigeschaltet. Wenige Tage zuvor hatte die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft dem Vigilanten-Thriller mit Armie Hammer eine Altersfreigabe in Deutschland verweigert. Boll hatte den Tech-Milliardär zuvor direkt auf der Plattform um Hilfe gebeten - mit dem Argument, der Film passe zu Musks Weltbild.
Der Streifen ist der Abschluss von Bolls Trilogie „Deutschland im Winter“. Hammer spielt einen amerikanischen Geschäftsmann, der nach einem Verbrechen an einer jungen Frau zur Selbstjustiz übergeht und in „Europa“ auf Migranten und Justizvertreter zielt. Die FSK vergab zweimal das Kennzeichen „KK“ - keine Kennzeichnung, was den Vertrieb über reguläre Kinoketten, Streamingdienste und den deutschen Handel faktisch ausschließt. Boll wertet das als Zensur und kündigte an, die dritte und letzte Instanz des FSK-Beschwerdeverfahrens anzurufen.
Gegenüber der Berliner Zeitung sagte Boll, die FSK versuche „die Realität zu verleugnen, indem sie seinen Film aus dem Verkehr ziehe“. Im selben Interview behauptete der Regisseur: „Massenvergewaltigungen werden zum Großteil von jungen Migranten begangen“ - eine Aussage, mit der er die Stoßrichtung seines Films inhaltlich verteidigt. Auf X adressierte Boll Musk in einem kurzen Clip persönlich und stellte den Film als Werk dar, das „die Verbrechen von Migranten in Europa“ zeige.
Die FSK versucht, die Realität zu verleugnen, indem sie meinen Film aus dem Verkehr zieht.
Was die FSK-Verweigerung tatsächlich bedeutet
Die Lesart eines „Verbots“ greift juristisch zu kurz, wie Filmstarts und der Tagesspiegel betonen. Ein verweigertes FSK-Kennzeichen ist kein Vertriebsverbot, sondern ein kommerzieller Nachteil: Ohne Freigabe verzichten die großen Multiplexketten und Streamingplattformen in der Regel auf den Titel. Filmemacher können stattdessen die juristische Prüfstelle SPIO/JK ansteuern, die Filme nach strafrechtlichen Kriterien bewertet. Ein dort erteiltes Kennzeichen erlaubt den Vertrieb an Erwachsene - ohne Werbung außerhalb des Erotik- und Spezialhandels.
Boll hat damit weiterhin legale Wege offen, etwa über eine geplante Blu-ray-Veröffentlichung. Musks Schritt verschafft dem Film aber etwas, was die deutschen Verleihstrukturen nicht hergeben würden: massive globale Reichweite. X-Konten ohne Altersnachweis konnten den Film während der 48 Stunden frei abrufen. Damit umgeht die Plattform die Jugendmedienschutz-Logik, die FSK und Landesmedienanstalten in Deutschland vorsehen - und liefert einen Präzedenzfall dafür, wie ein Regisseur eine inländische Aufsicht über die Reichweite eines US-Tech-Konzerns auskontert.
Wie der Film international ankommt
Die internationale Kritik fällt vernichtend aus. Todd Gilchrist nannte „Citizen Vigilante“ in Variety „erstaunlich schlecht“ und sprach von einem „gewaltsamen, inkohärenten, moralisch bankrotten Stück Exploitation“. Hauptdarsteller Hammer, der sich nach Jahren öffentlicher Vorwürfe wegen sexueller Übergriffe in einer Comeback-Phase befindet, wird mit dem Projekt nach Einschätzung mehrerer US-Branchenmedien eher beschädigt als rehabilitiert. Für Boll, dessen Provokationsstrategie seit zwei Jahrzehnten Teil seines Marketings ist, funktioniert der Streit dagegen wie geplant: Die FSK-Entscheidung und Musks 48-Stunden-Aktion haben den Titel international ins Gespräch gebracht.
Im FSK-Verfahren steht die dritte Instanz noch aus. Ob das Kennzeichen am Ende doch noch erteilt wird, ist offen - die Plattformpolitik um den Film ist mit Musks Eingreifen bereits entschieden.