US-Vizepräsident JD Vance hat erste konkrete Details des geplanten Iran-Abkommens öffentlich gemacht. In einer Interview-Serie bei NBC News, Fox News und CNN bestätigte Vance am Montag, dass die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEA) in die Islamische Republik zurückkehren wird. Auf die Frage des NBC-Moderators, ob Teheran die Inspektoren wieder ins Land lasse, antwortete der Vizepräsident mit „Ja, absolut“.
Vance nannte die Rückkehr der Atomwächter einen Kernbestandteil der Verständigung, die den Krieg in Nahost beenden soll. Die IAEA und die Vereinigten Staaten würden Iran zudem dabei unterstützen, „seine Bestände an hochangereichertem Uran zu vernichten“. Diese Verpflichtung sei bereits in einer Absichtserklärung festgeschrieben, die Washington und Teheran ausgehandelt hätten. Wie die „Tagesschau“ berichtet, umfasst das Memorandum nach Vance' Angaben rund anderthalb Seiten. Weitere Punkte müssten in technischen Verhandlungen geklärt werden.
Gegenüber CNN sprach Vance von einem „sehr allgemeinen Dokument“. Er räumte ein, dass ein Starttermin für die Inspektionen noch nicht vereinbart sei - dieser könne aber im Rahmen der Vertragsunterzeichnung festgelegt werden. US-Präsident Donald Trump wolle das Abkommen möglicherweise schon vor Freitag veröffentlichen. Die persönliche Unterschrift solle in der Schweiz fallen.
Selbst Vertreter der Revolutionsgarden haben erkannt, dass die Art, wie sie seit 47 Jahren mit den USA umgegangen sind, ein Fehler war.
Vance verwies in dem CNN-Gespräch auf einen „Sinneswandel“ innerhalb der iranischen Führung. Sogar einflussreiche Kommandeure der Revolutionsgarden hätten die bisherige Linie Teherans gegenüber Washington öffentlich als Irrtum bezeichnet. Belege für diese Aussage lieferte der Vizepräsident nicht. Iranische Staatsmedien haben sich bislang nicht zu den Schilderungen geäußert.
Folge der Eskalation vom Februar
Das Abkommen ist die Folge einer der dramatischsten Krisen im Nahen Osten der vergangenen Jahre. Ende Februar hatten die USA und Israel gemeinsam eine Welle von Luftschlägen gegen iranische Atom- und Raketenanlagen gestartet, bei denen auch der oberste Führer Ali Khamenei getötet wurde. Sein Sohn übernahm die Nachfolge, Teheran reagierte mit Gegenschlägen gegen Israel und US-Stützpunkte in der Region. Erst nach mehreren Vermittlungsrunden in Oman, Genf und zuletzt am Rande des G7-Gipfels in Évian zeichnete sich eine Verhandlungslösung ab.
Wie wir am Sonntag berichteten, hatte Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu auf einer Pressekonferenz in Jerusalem die Vereinbarung als „Schritt zur atomaren Auslöschung“ eines iranischen Atomprogramms bezeichnet und Trumps Kurs gestützt. In Deutschland und Frankreich war die Ankündigung am Rande des G7-Treffens vorsichtig begrüßt worden. Bundeskanzler Friedrich Merz hatte dort betont, ein Abkommen ohne dauerhafte Überwachung sei „kein Abkommen, sondern ein Aufschub“.
Offen bleibt, in welchem Umfang die IAEA tatsächlich Zugang zu den iranischen Anlagen bekommt. Vor den Luftschlägen hatte Teheran den Inspektoren den Zutritt zu mehreren Standorten verweigert und Überwachungskameras abmontiert. Die Wiener Behörde wartet nach Angaben von Diplomaten auf ein formales Schreiben aus Washington und Teheran, bevor sie eigene Teams vorbereitet. Auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa wollte sich die IAEA-Sprecherin am Montag nicht zu Vance' Ankündigung äußern.