Die deutschen Maschinenbauer verlagern ihre Forschung immer weiter ins Ausland. Nach einer am Dienstag veröffentlichten Umfrage des Branchenverbands VDMA unter rund 400 Mitgliedsfirmen organisieren bereits 43 Prozent der Unternehmen Teile ihrer Forschung und Entwicklung jenseits der deutschen Grenze. Bei den großen Firmen mit mehr als 1.000 Beschäftigten sind es rund 90 Prozent. Für den stellvertretenden VDMA-Hauptgeschäftsführer Hartmut Rauen ist das „ein klares Alarmsignal für den Industriestandort Deutschland“.

Der Trend soll sich beschleunigen. 69 Prozent der Firmen, die bereits im Ausland forschen, wollen diese Aktivitäten weiter ausbauen. Vier von zehn international aufgestellten Betrieben rechnen damit, dass der Auslandsanteil ihrer Forschungsausgaben in den kommenden fünf Jahren um rund zehn Prozentpunkte steigt. Nahezu weitere 40 Prozent erwarten einen noch stärkeren Zuwachs. Als aussichtsreichste Zielregionen nennt die Umfrage vor allem China und Indien.

Verliert dieser Sektor Forschungsaufgaben, verliert er auch hochqualifizierte Arbeitsplätze.
- Hartmut Rauen, VDMA

Damit trifft die Verlagerung eine der letzten Kernkompetenzen des deutschen Maschinenbaus. 71 Prozent der befragten Firmen sehen China als innovationsstärksten Wettbewerber, wie die dpa aus der Umfrage berichtet. Deutschland folgt mit 65 Prozent auf dem zweiten Platz. Die chinesischen Konkurrenten arbeiten aus Sicht der Branche schneller mit Künstlicher Intelligenz in der Produktentwicklung, während sich hiesige Betriebe eher mit Umsatzrückgängen und hohen Standortkosten auseinandersetzen müssen.

Rauen führt die Verlagerung nicht allein auf Kostenvorteile im Ausland zurück. „Angespannte Ergebnissituationen und strukturelle Standortnachteile begrenzen den finanziellen Spielraum auch für Zukunftsinvestitionen“, sagte er nach Angaben der Fachpresse. Wo die Marge fehle, fehle das Kapital für teure Grundlagenforschung im Inland.

Was in Deutschland bleibt

Ein Rest an Investitionsbereitschaft ist geblieben. 39 Prozent der Firmen wollen ihre Forschungs- und Entwicklungsausgaben in Deutschland 2026 erhöhen. Rund die Hälfte der Befragten nennt die staatliche Forschungszulage als relevantes Förderinstrument, um Innovationsarbeit hierzulande wirtschaftlich zu halten. Beim VDMA wertet man das nicht als Entwarnung. Der Verband beziffert die Zahl der Ingenieurinnen und Ingenieure im Maschinen- und Anlagenbau auf rund 190.000. Ihre Arbeit gilt als Rückgrat der industriellen Innovation in Deutschland.

Rauen adressiert die Bundesregierung direkt. „Wer den Industriestandort und Hightech hierzulande sichern will, muss jetzt die Voraussetzungen für Investitionen und Innovationen schaffen“, erklärte er. Konkret fordert der VDMA weniger Bürokratie bei Förderprogrammen und bessere steuerliche Anreize, damit Forschung und Fertigung nicht dauerhaft nach Fernost abwandern. Andernfalls, warnt der Verband, werde Deutschland seine Rolle als führender Innovationsstandort der Branche verlieren.