Am Mittwochabend beginnt am Lido di Venezia die 83. Ausgabe der Internationalen Filmfestspiele. Bis zum 12. September zeigt die Mostra 21 Wettbewerbsfilme sowie mehrere Dutzend Beiträge außer Konkurrenz. Zur Eröffnung läuft in der Sala Grande des Palazzo del Cinema Danny Boyles Theateradaption „Ink“, ein Drama über den Aufstieg der britischen Boulevardzeitung The Sun unter Rupert Murdoch.
Boyle, mit „Trainspotting“ und „Slumdog Millionaire“ bekannt geworden, konkurriert erstmals in Venedig um den Goldenen Löwen. Das Drehbuch stammt vom Olivier-preisgekrönten Dramatiker James Graham und basiert auf dessen Bühnenstück von 2017. Jack O'Connell spielt den skrupellosen Chefredakteur Larry Lamb, Guy Pearce den Verleger Murdoch, Claire Foy eine Redakteurin. Der Filmdienst kündigt das Werk als „explosive Kino-Achterbahnfahrt“ der Festival-Programmatik an.
Herzog kehrt in den Wettbewerb zurück
Werner Herzog schickt mit „Bucking Fastard“ seinen ersten Wettbewerbsbeitrag seit Jahren ins Rennen. Der Film mit Kate und Rooney Mara als Zwillingsschwestern, inspiriert von der Geschichte der Chaplin-Zwillinge Freda und Greta, war ursprünglich für Cannes vorgesehen, Herzog zog ihn dort zurück. Neben ihm treten in der Sektion Venezia 83 Regisseure wie Hirokazu Kore-eda, Martin McDonagh, Lee Chang-dong und Florian Zeller an. Zellers „Bunker“ mit Penélope Cruz und Javier Bardem gilt schon vor der Premiere als einer der Favoriten.
Bereits im Vorfeld hatte Festivaldirektor Alberto Barbera die diesjährigen Ehrenpreise verkündet. Die 93-jährige US-Schauspielerin Ellen Burstyn und der 65-jährige George Clooney erhalten den Goldenen Löwen für ihr Lebenswerk.
Burstyn hat das amerikanische Kino über fünf Jahrzehnte geprägt und unvergesslichen Frauenfiguren Tiefe und Komplexität verliehen.
Deutsches Aufgebot in mehreren Sektionen
Nach Angaben von Filmportal sind 22 deutsche Produktionen und Koproduktionen in Venedig vertreten, dazu zwölf weitere Projekte in der Venice Production Bridge. Im Hauptwettbewerb läuft neben Herzog auch Ilya Khrzhanovskys Langzeitprojekt „DAU“ als deutsch-französisch-ukrainisch-schwedische Koproduktion. Außer Konkurrenz präsentiert Wim Wenders die 3D-Dokumentation „From Inside Out - The Architecture of Peter Zumthor“ über den Schweizer Architekten, in der Nachwuchssektion Orizzonti läuft Jannis Lenz mit „Oase“ über drei Außenseiter, die vor Anschuldigungen der Erwachsenenwelt in die Natur fliehen.
Für Diskussionen dürfte die kurzfristig ins Programm aufgenommene Dokumentation „Naza“ sorgen, in der israelische Militärangehörige zwischen 2023 und 2025 anonym über gezielte Tötungen im Gaza-Streifen berichten. Luca Guadagnino zeigt außer Konkurrenz eine mehrstündige Hommage an Bernardo Bertolucci, Alex Gibney eine fast vierstündige Studie über Elon Musk. Die Jury unter Vorsitz von Maggie Gyllenhaal, die 2021 in Venedig den Drehbuchpreis für „Frau im Dunkeln“ gewann, verkündet die Preisträger am 12. September.