Präsident Donald Trump hat am Donnerstag auf seiner Plattform Truth Social einen weitreichenden Öl-Deal mit Venezuela verkündet. Danach übernehmen die USA die Mehrheitskontrolle über 65 Milliarden Barrel nachgewiesener Ölreserven - laut Trump „die größte Öltransaktion der Weltgeschichte“. Die Vereinbarung wurde mit Interimspräsidentin Delcy Rodríguez ausgehandelt und deckt 17 Ölfelder ab.
Auf US-Seite führten Außenminister Marco Rubio und Verteidigungsminister Pete Hegseth die Gespräche. Rubio schrieb auf X, das Abkommen bringe „tausende gut bezahlte Jobs“ und werde Venezuelas Wirtschaft mit fast 100 Milliarden Dollar an privaten Investitionen wieder aufbauen. Rodríguez sprach auf Telegram von einer „bedeutenden Wirkung für die Wiedergeburt unserer Nation“ und verwies auf erwartete Steuereinnahmen von rund 209 Milliarden Dollar für die venezolanische Staatskasse.
Neun Monate nach Maduros Festnahme
Der Deal folgt neun Monate auf die Militäroperation vom 3. Januar, in deren Verlauf US-Spezialkräfte den damaligen Präsidenten Nicolás Maduro festnahmen und nach New York ausflogen, wo er sich seither wegen Drogenterrorismus und Waffenhandels vor einem Bundesgericht verantwortet. Trump erklärte auf Truth Social, „Öl, Land und andere Vermögenswerte“ seien den USA von Venezuela gestohlen worden und „müssten sofort zurückgegeben werden“, wie die taz zitiert. Rodríguez, zuvor Vizepräsidentin und Ölministerin, war im Januar vom Obersten Gerichtshof zur geschäftsführenden Präsidentin ermächtigt worden und suchte seither die Nähe zu Washington.
Für Trump ist der Öl-Deal auch innenpolitisch verwertbar. Er versprach sinkende Benzinpreise für die Amerikaner, die derzeit 4,09 Dollar pro Gallone zahlen - über ein Drittel mehr als vor Beginn des Iran-Krieges.
Kein Vertragstext, offene Rechtsfragen
Bislang wurde kein Vertragstext veröffentlicht. Unklar bleibt, wer über die Fördermengen entscheidet und wie die Erträge im Detail aufgeteilt werden. David Goldwyn von der Beratungsfirma Goldwyn Global Strategies sieht einen Ausnahmecharakter: Es gebe „keinen Präzedenzfall dafür, dass die US-Regierung einen Pachtvertrag zum Betrieb von Ölfeldern abschließt“, zitiert ihn t-online. Auch die rechtliche Konstruktion des Abkommens wirft Fragen auf.
Ist es ein Verkauf? Ist es die Übertragung eines Eigentumstitels?
Kritiker sprechen von einem Ausverkauf der venezolanischen Ressourcen und stellen die Legitimität der Übergangsregierung in Frage. Eine nicht gewählte Interimspräsidentin verhandele über langfristige Konzessionen, während ein verbindlicher Termin für freie Wahlen weiter fehlt. Zugleich bindet der Deal Venezuela wirtschaftlich enger an Washington und rückt das Land von seinen bisherigen Partnern China und Russland ab, wie SRF in einer Analyse anmerkt.
Praktisch dürfte die Umsetzung Jahre in Anspruch nehmen. Venezuela fördert derzeit rund 1,25 Millionen Barrel Rohöl pro Tag, ein Bruchteil der einstigen Kapazität. Die Reserven bestehen überwiegend aus Schweröl, dessen Förderung teure Spezialtechnik verlangt. Analysten wie John Kilduff von Again Capital verweisen darauf, dass US-Unternehmen erst dann in großem Stil investieren würden, wenn Washington belastbare Sicherheitsgarantien vor Ort schafft. Trumps Versprechen auf schnell sinkende Spritpreise dürfte damit vorerst ein Versprechen bleiben.