Jonas Vingegaard ist am Sonntag auf der 15. Etappe der Tour de France gestürzt und muss das Rennen aufgeben. Der zweimalige Gesamtsieger von Visma-Lease a Bike rutschte in einem Kreisverkehr 22 Kilometer vor dem Ziel weg, wie mehrere Berichte übereinstimmend melden. Sein Team bestätigte kurz nach der Etappe einen Schlüsselbeinbruch samt weiterer Schürfwunden. Eine Operation ist für die kommenden Tage vorgesehen. Damit ist einer der beiden Titelfavoriten aus dem Rennen um das Gelbe Trikot.
Über den Anstieg auf das Plateau de Solaison entschied Remco Evenepoel die Etappe für sich. Der Belgier von Red Bull-Bora-hansgrohe setzte sich im Schlussspurt gegen Titelverteidiger Tadej Pogacar (UAE Team Emirates-XRG) durch, Dritter wurde Isaac del Toro. Es war laut Cyclingnews der erste Bergsieg für Evenepoel gegen Pogacar bei einer Tour und zugleich der erste Etappenerfolg für die deutsche Red-Bull-Mannschaft in Frankreich. Der 11,3 Kilometer lange Schlussanstieg mit durchschnittlich 9,1 Prozent Steigung wurde in der Endphase auch für Pogacar zu steil, der nach eigenen Angaben in dieser Nacht nur vier Stunden geschlafen hatte - eine unangekündigte Dopingkontrolle hatte ihn um 5 Uhr aus dem Bett geholt.
Es ist gut, dass sie testen, aber wenn es Leistung und Schlaf beeinträchtigt, finde ich das nicht so gut.
Vingegaard selbst hatte vor dem Start noch über die Kontrolle geklagt: Er sei um zwei Uhr geweckt worden, „das dauerte 40 Minuten, bis ich wieder im Bett war“, zitiert ihn der Tagesspiegel. Ob die kurze Nacht bei dem Sturz eine Rolle spielte, ließ sich nach dem Rennen nicht klären. In der Gesamtwertung führt Pogacar nun 5:00 Minuten vor Evenepoel, der zum Zweiten aufrückt. Del Toro liegt Dritter mit 5:58 Minuten Rückstand.
Lipowitz rückt nach vorn
Für die deutsche Mannschaft war es ein zwiespältiger Sonntag. Florian Lipowitz kam 58 Sekunden hinter Evenepoel ins Ziel und schob sich in der Gesamtwertung auf den fünften Platz - Vingegaards Ausscheiden räumte ihm einen Rang frei. Der 24-jährige Deutsche hatte auf der Vortagesetappe noch mit „am Ende haben die Beine nicht gereicht“ die Erwartungsdämpfung übernommen, wie ihn radsport-news.com zitierte. Am Solaison hielt er in der zweiten Reihe der Favoriten mit.
Am Montag ist Ruhetag, am Dienstag geht es auf der 16. Etappe von Mülhausen ins Le Markstein Fellering weiter. Ohne Vingegaard ist Evenepoel der einzige Fahrer, der Pogacar in den verbleibenden Bergetappen und dem finalen Zeitfahren noch gefährlich werden kann - fünf Minuten sind viel, aber nicht uneinholbar. Der Titelverteidiger dürfte trotzdem als klarer Favorit nach Paris fahren.