Demi Vollering hat am Sonntagabend in Nizza die 2026er Ausgabe der Tour de France Femmes gewonnen. Die 29-jährige Niederländerin vom Team FDJ United - SUEZ setzte sich auf der neunten und letzten Etappe an der Cote d’Azur mit einem Solo über die letzten 16 Kilometer durch und baute ihren Gesamtvorsprung auf 1:18 Minuten vor der Polin Kasia Niewiadoma-Phinney (CANYON//SRAM) aus. Vollering ist damit die erste Fahrerin, die die 2022 wiederbelebte Frauen-Tour zweimal gewonnen hat - nach ihrem Debüterfolg 2023.
Auf dem 99,2 Kilometer langen Schlusskurs mit vier Aufstiegen zum Col d’Eze hatte Vollering ihr Gelbes Trikot mit nur acht Sekunden Vorsprung verteidigen müssen. Als Niewiadoma-Phinney im letzten Anstieg attackierte, blieb sie am Hinterrad, ging 600 Meter vor der Bergwertung selbst nach vorn und gewann Sekunden. Am Gipfel führte sie mit 20 Sekunden, in Nizza wurden es 1:04 Minuten zum Etappensieg - ihrem dritten in dieser Rundfahrt. Elisa Longo Borghini fuhr als Gesamtdritte auf das Podium.
Ich habe daran gedacht, wie viel harte Arbeit in diesem Sieg steckt.
Der Erfolg fällt in ein Jahr, in dem die Konkurrenz mehrmals rotierte. Titelverteidigerin Pauline Ferrand-Prevot stieg laut ZDFheute vor der vorletzten Etappe krankheitsbedingt aus, Vollering selbst hatte bereits am Mont Ventoux das Gelbe Trikot übernommen. Vor zwei Jahren hatte Niewiadoma sie an gleicher Stelle noch um vier Sekunden abgefangen - die knappste Entscheidung in der Geschichte der Frauen-Tour. „Ich hatte nie Zweifel an meiner Leistungsfähigkeit, auch nicht nach dem Mont Ventoux“, sagte Vollering nach dem Zielstrich in Nizza.
Erstes Trikot für Deutschland
Zeitgleich mit Vollerings Gesamtsieg schrieb Antonia Niedermaier deutsche Radsport-Geschichte. Die 23-Jährige aus dem Chiemgau, seit 2023 im Kader von CANYON//SRAM zondacrypto, erreichte als Gesamtvierte das Weiße Trikot der besten Jungprofi-Fahrerin. Es ist die erste Klassementwertung, die eine Deutsche seit dem Neustart der Frauen-Tour für sich entschieden hat. „Ich hoffe, dass es eine Inspiration ist“, sagte Niedermaier im Interview mit der Sportschau nach der Zielankunft.
Niedermaier, im Alltag Skibergsteigerin und studierte Physiotherapeutin, hatte in den Bergen der zweiten Woche wiederholt am Podium gekratzt. Am Ende fehlten der Bayerin knapp anderthalb Minuten auf Rang drei. Ins Ziel begleitete sie beim ZDF Bundestrainerin Anne-Kathrin Berg mit dem Satz, die Tour habe „eine neue Generation deutscher Fahrerinnen sichtbar gemacht“.
Ausblick
Für die Mannschaftswertung setzte sich UAE Team ADQ 48 Minuten vor Lidl - Trek durch. Vollering fährt in den kommenden Wochen bei der Vuelta Femenina Anfang September ihren nächsten Grand-Tour-Angriff. Die Frauen-WM in Kigali steht Ende September auf dem Programm - für Niedermaier eine weitere Bühne, um an das Ergebnis von Nizza anzuknüpfen.