Um 14.30 Uhr tritt der Volkswagen-Aufsichtsrat am Donnerstag zu einer nicht-öffentlichen Sitzung in Wolfsburg zusammen. Auf der Tagesordnung stehen die verschärften Sparpläne von Vorstandschef Oliver Blume. Zeitgleich ruft die IG Metall an allen deutschen Standorten - inklusive der Töchter Audi, Porsche und MAN - zu einem Aktionstag auf. Vor dem Verwaltungshochhaus in Wolfsburg ist unmittelbar vor Sitzungsbeginn eine Kundgebung geplant.
Blume hatte im Frühjahr angekündigt, das „Zielbild 2030“ zu überarbeiten. Nach Recherchen des Manager Magazins könnten dabei konzernweit bis zu 100.000 Stellen wegfallen, doppelt so viele wie bisher geplant. Vier deutsche Werke stünden auf der Streichliste: Hannover, Emden, Zwickau und Neckarsulm. Bereits vereinbart war der Abbau von 50.000 Stellen bis 2030, davon 35.000 bei der Kernmarke - mehr als 37.000 Beschäftigte haben nach Angaben des Konzerns bereits Aufhebungsverträge unterzeichnet.
IG-Metall-Vorsitzende Christiane Benner machte im Vorfeld deutlich, dass die Gewerkschaft weitere Einschnitte nicht mittragen werde. Ein VW-Sprecher räumte in einer Stellungnahme ein: „Wir werden Überkapazitäten abbauen müssen.“ Der Aktionstag sei bewusst als Kundgebung und nicht als Warnstreik ausgelegt, die Friedenspflicht aus dem Tarifabschluss vom Dezember bleibe gewahrt.
Wir sind nicht hier, um den Laden dichtzumachen, sondern wir wollen eine Zukunft.
Osnabrück als Blaupause
Der Standort Osnabrück, an dem rund 2.000 Beschäftigte arbeiten, gilt in der Belegschaft als Warnung. Bis Ende 2027 läuft dort die Autoproduktion aus, bis Jahresende 2026 will der Konzern über die Zukunft der Halle entscheiden. Verhandelt wird derzeit mit Rüstungsunternehmen über eine mögliche Nachnutzung. IG-Metall-Bevollmächtigter Stephan Soldanski forderte am Morgen vor rund 70 Betriebsräten und Vertrauensleuten: „Wir brauchen eine Zukunft für unseren Standort aus Wolfsburg heraus, aber auch für alle anderen Standorte.“
Politisches Gewicht hat das Land Niedersachsen, das über 20 Prozent an Volkswagen hält und mit Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) sowie der stellvertretenden Ministerpräsidentin Julia Willie Hamburg (Grüne) im Aufsichtsrat sitzt. Beide dürften sich in der Sitzung positionieren müssen - eine Werksschließung in Emden oder Hannover wäre für die Landesregierung politisch kaum tragbar. Wie weit Blume mit seinen Plänen kommt, hängt maßgeblich davon ab, ob die Arbeitnehmerbank und Niedersachsen sich gegen den Kurs stellen.
Für den Konzern geht es um Milliarden: Der Umsatz der deutschen Autobauer war laut einer EY-Studie zuletzt um 4,3 Prozent gesunken, VW hatte im vergangenen Jahr Marktanteile in China und Europa verloren. Blume verweist auf die Kosten des Wandels zur Elektromobilität und den Preisdruck chinesischer Anbieter. Kritiker in der Belegschaft halten ihm entgegen, dass die Führung strategische Fehler bei Software und Modellpalette selbst zu verantworten habe.