Bei einem Waldbrand in der Provinz Almería sind nach Angaben der andalusischen Regionalregierung mindestens zwölf Menschen ums Leben gekommen. 23 Personen gelten am Freitagmorgen weiter als vermisst, wie die Behörden mitteilten. Das Feuer war am Donnerstagabend in der Nähe der Gemeinde Los Gallardos ausgebrochen und hatte sich innerhalb weniger Stunden auf mehrere Ortschaften ausgebreitet. Nach spanischen Medienberichten ist es der tödlichste Waldbrand des 21. Jahrhunderts in Spanien.
Als wahrscheinliche Ursache nennen die Behörden eine herabgestürzte Hochspannungsleitung. Der Bürgermeister der benachbarten Gemeinde Antas, Pedro Ridao, sagte laut Berichten, ein herabgefallenes Kabel habe die Funken in völlig ausgetrocknete Vegetation geschlagen. Starke Winde am Abend hätten die Flammen dann binnen zwei Stunden über rund 15 Kilometer getragen. Bis Freitagnachmittag brannten nach Angaben der Regionalregierung mehr als 3.500 Hektar.
Vier Tote in einem Fahrzeug
Vier der Opfer wurden nach Angaben der Provinzregierung in einem Auto gefunden, das mit einem Rechtslenker ausgestattet war. Die Ermittler gehen deshalb davon aus, dass es sich um britische Staatsangehörige handelt. Der andalusische Krisenminister Antonio Sanz teilte mit, unter den Toten seien nach vorläufigem Stand mindestens vier Briten, mehrere Belgier und ein Spanier. Acht weitere Opfer waren beim Versuch zu fliehen auf Landstraßen von den Flammen eingeschlossen worden. Mindestens drei Kinder sollen unter den Toten sein.
Mehr als 1.400 Menschen wurden aus den Gemeinden Los Gallardos, Bédar und Antas sowie mehreren Feriensiedlungen in Sicherheit gebracht. In den Nachbarorten Garrucha und Mojácar richteten die Behörden Notunterkünfte ein. 400 Bewohner eines Campingplatzes wurden ebenfalls evakuiert. Im Einsatz waren nach Angaben des Zivilschutzes zeitweise mehr als 460 Feuerwehrleute, unterstützt von zwölf Löschflugzeugen und Helikoptern. Am späten Freitag traf zusätzlich eine spezialisierte Militäreinheit ein.
Sánchez spricht von tiefer Bestürzung
Die ganze Region trauert. Andalusien steht still, unsere Herzen sind bei Almería.
Ministerpräsident Pedro Sánchez äußerte auf der Plattform X „tiefe Trauer und Bestürzung über die verheerenden Folgen des Brandes“ und rief die Bevölkerung zu „großer Vorsicht“ auf. Der andalusische Regionalpräsident Juanma Moreno erklärte, er sei „vor Schmerz erschüttert“ und sprach den Familien sein Beileid aus. Das spanische Königshaus veröffentlichte am Freitagmittag eine Erklärung, in der Königin Letizia und König Felipe VI. sich „zutiefst betroffen“ von der Tragödie zeigten.
Antonio Sanz sprach von einer „beispiellosen Tragödie“ und dem Waldbrand mit den „schwersten Folgen“, den Andalusien bislang erlebt habe. Wie die Nachrichtenagentur Efe berichtet, hatte die Notrufzentrale in den ersten Stunden mehr als 150 Anrufe von Anwohnern erhalten, die das Feuer meldeten. Die Ermittlungen zur genauen Ursache und zur Verantwortung des Netzbetreibers laufen.
Feuerwehrleute vor Ort verwiesen auf die wiederkehrende Gefahr. Ein Löschmannschaftsführer sagte laut Berichten, es sei „wie ein ewiges Déjà-vu“. Jährlich forderten die Einsatzkräfte mehr Prävention, doch die Kombination aus austrocknender Vegetation, Hitzewellen und marodem Stromnetz produziere immer neue Katastrophen. Bereits im Sommer 2022 hatte ein Waldbrand in Zamora rund 60.000 Hektar zerstört, damals starben zwei Menschen.