Vier Tage nach dem Ausbruch des Waldbrands bei Los Gallardos in der Provinz Almería melden die andalusischen Behörden 13 Todesopfer. Am Sonntag erlag eine 93-jährige Britin im Krankenhaus ihren Verletzungen, damit stieg die Zahl der Opfer um eins. Nach Angaben der Regionalregierung ist das Feuer inzwischen „praktisch unter Kontrolle“, die Alarmstufe wurde von 2 auf 1 zurückgestuft. Ministerpräsident Pedro Sánchez besuchte am Montag das Brandgebiet, sagte Wiederaufbaumittel zu und rief zu einem nationalen Pakt gegen den Klimawandel auf.
Wie wir am vergangenen Freitag berichteten, war das Feuer am Donnerstagabend in der Nähe von Los Gallardos ausgebrochen und hatte sich innerhalb weniger Stunden über 15 Kilometer ausgebreitet. Als wahrscheinliche Ursache gilt weiterhin eine herabgestürzte Hochspannungsleitung. Die verbrannte Fläche wuchs bis zum Wochenende auf rund 7.000 Hektar an, es ist der größte Waldbrand Spaniens im laufenden Jahr. Sechs der 13 Opfer sind identifiziert: ein Spanier sowie fünf Ausländer, darunter zwei Briten, eine Französin, ein Belgier und eine mit einem Spanier verheiratete US-Amerikanerin.
Der andalusische Krisenminister Antonio Sanz sagte am Sonntag, das Feuer sei „stabilisiert“ und werde „hoffentlich bald vollständig gelöscht“ sein. Rund 1.000 der 1.400 evakuierten Anwohner konnten nach Angaben des Zivilschutzes bereits am Samstagabend in ihre Häuser zurückkehren, weitere 800 Menschen sind weiterhin in Hotels und Notunterkünften untergebracht. Der Regionalpräsident Juanma Moreno erklärte, das Feuer werde bis zum Ende des 13. Juli „praktisch kontrolliert“ sein. Die staatlichen Einsatzkräfte begannen, Personal aus dem Gebiet abzuziehen.
Sánchez ruft zum „Staatspakt gegen die Klimakrise“ auf
Wir dürfen nicht nur reagieren, wenn diese Brände geschehen. Wir müssen sie verhindern.
Bei seinem Besuch in Los Gallardos versprach Sánchez staatliche Mittel für den Wiederaufbau und forderte einen „großen Staatspakt“ gegen die Folgen der Klimakrise. Zivilschutznotlagen dieser Größenordnung würden „immer häufiger“, sagte der Ministerpräsident laut Euronews. Zugleich verband Sánchez den Auftritt mit einer politischen Botschaft: Er kritisierte die konservative andalusische Regionalregierung von Juanma Moreno (PP) dafür, im Regionalparlament mit der rechten Vox Beschlüsse gefasst zu haben, die den Klimawandel als Ursache in Frage stellen. Vox lehnt Klimaschutzmaßnahmen weitgehend ab.
Sánchez forderte zugleich einen besseren Schutz für die Feuerwehrleute. Erste Untersuchungen konzentrieren sich auf die Verantwortung des Netzbetreibers für das herabgefallene Kabel, das die Funken in die ausgetrocknete Vegetation geschlagen haben soll. Der Bürgermeister der Nachbargemeinde Antas, Pedro Ridao, hatte bereits am Freitag von einem seit Jahren bekannten Problem mit der Wartung der Stromleitungen gesprochen.
Neuer Großbrand an der Costa Dorada
Während in Almería die Löscharbeiten auslaufen, kämpft der spanische Zivilschutz an der katalanischen Costa Dorada gegen einen neuen Großbrand. Am Samstagmittag brach nahe Mont-roig del Camp in der Provinz Tarragona ein Feuer aus, das sich rasch auf den touristisch stark frequentierten Küstenstreifen ausbreitete. Rund 3.000 Anwohner und Urlauber mussten die Feriensiedlungen El Casalot, La Marina, Costa de Zefir sowie Teile von Miami Platja verlassen. Der Regionalflughafen Reus verzeichnete Verspätungen, die Autobahn AP-7 wurde ebenso wie die Landstraße N-340 zeitweise gesperrt, die Vorortbahn Rodalies R-16 stellte den Betrieb ein.
Die katalanische Feuerwehr Bombers de la Generalitat setzte 57 Löschfahrzeuge sowie sechs Wasserwerfer-Flugzeuge und Hubschrauber ein. Nach ersten Angaben verbrannten rund sieben Hektar Vegetation, bevor der Brand am Sonntag eingedämmt werden konnte. Für den Sommer 2026 gilt in weiten Teilen Spaniens die höchste Waldbrandwarnstufe. Nach Daten des staatlichen Wetterdienstes Aemet erlebte die Iberische Halbinsel im Juli eine der schwersten Hitzewellen seit Beginn der Aufzeichnungen, in mehreren Regionen wurden dauerhaft über 40 Grad gemessen.