Der Vormarsch der Flammen auf Bordeaux ist am Montagmorgen vorerst zum Stillstand gekommen. Die Präfektur des Départements Gironde meldete, die Lage sei „insgesamt stabil“ geblieben, im südlich angrenzenden Département Landes sprachen die Behörden von einer „eher ruhigen Nacht“. Wie wir am Freitag berichteten, waren zunächst rund 167.000 Menschen in Sicherheit gebracht worden; inzwischen hat die Präfektur die Zahl auf mehr als 220.000 korrigiert. Nach Angaben des ADAC sind 42.000 Hektar Wald und Buschland niedergebrannt, 240 Häuser vollständig zerstört. Die Flammenfront steht rund 15 Kilometer vor den Toren der Stadt.

Damit ist das Feuer in der Gironde der größte Waldbrand Frankreichs seit dem Zweiten Weltkrieg. Innenminister Laurent Nuñez hatte am Wochenende von einer der größten Evakuierungen in der Geschichte des Landes gesprochen. Die Behörden warnten, die Ruhe sei trügerisch. Feuerwehroffizier David Annotel vom französischen Feuerwehrverband sagte dem Sender France Info, der Brand könne „mehrere Wochen, ja sogar mehrere Monate andauern“. Eine Hitzewelle ab Dienstag werde „die Lage verschärfen und die Zahl der Einsätze erhöhen“.

Der Brand kann mehrere Wochen, ja sogar mehrere Monate andauern.
- David Annotel, französischer Feuerwehrverband, gegenüber France Info

Für den Ballungsraum Bordeaux ist eine Evakuierung nach Auskunft der Stadtverwaltung derzeit nicht geplant. Bürgermeister Thomas Cazenave rief die Bevölkerung dazu auf, Aufenthalte im Freien einzuschränken. Die Feinstaubwerte lagen laut Behörden über den zulässigen Grenzwerten, in weiten Teilen der Stadt hing beißender Rauchgeruch. Der Autobahnabschnitt A63 ist auf einer Länge von 60 Kilometern gesperrt, südlich von Bordeaux stellte die staatliche Bahn SNCF den TGV-Verkehr ein. Der Flughafen Bordeaux-Mérignac blieb betriebsbereit, Bus- und Tramanbindung waren zeitweise unterbrochen.

2.500 Feuerwehrleute und europäische Hilfe

Im Einsatz stehen nach Angaben des Portals „20 Minuten“ inzwischen rund 2.500 Feuerwehrleute und 1.500 Soldaten, unterstützt von 18 Löschflugzeugen und einem Airbus A400M der französischen Luftwaffe. Frankreichs Außenminister Jean-Noël Barrot dankte Rumänien, der Schweiz und weiteren EU-Partnern für Feuerwehrkräfte und Hubschrauber. „Das ist Europa. In der Bewährungsprobe lebt sie die Solidarität, auf der sie beruht“, schrieb Barrot laut Euronews auf X. Präsident Emmanuel Macron erklärte in einer Videobotschaft: „In diesen Stunden, in denen die Flammen unser Land hart treffen, zeigt Frankreich, was es ist: ein geeintes Volk, das zusammenhält.“

Betroffen ist nicht nur das Hinterland der Metropole, sondern auch das für den Tourismus wichtige Becken von Arcachon, wo mehrere Campingplätze und acht Ferienanlagen geräumt wurden. Im Département Landes brannten laut ADAC weitere 3.600 Hektar. Im Département Var und in der Mittelmeerregion um Pontevès und Cotignac mussten rund 500 Anwohner ihre Häuser verlassen; auf Korsika, in Sizilien und Kalabrien wüten ebenfalls Brände. Nach Angaben der Präfektur sind seit Januar in Frankreich fast 100.000 Hektar Wald und Vegetation verbrannt, so viel wie in keinem Jahr zuvor.

Wie lange die Ruhe hält, ist offen. Meteorologen erwarten ab Dienstag Temperaturen jenseits der 40 Grad und auffrischenden Wind. Die Rauchentwicklung reicht laut Copernicus-Satellitendaten bis in die Bretagne. Zur Ursache des Feuers hält sich die Gendarmerie weiter zurück; nach Aussagen des Bürgermeisters von Le Porge, Martial Zaninetti, soll ein Rodungsgerät die Flammen ausgelöst haben, die Ermittler gehen von einem unbeabsichtigten Vorfall aus.