Der Waldbrand im südwestfranzösischen Département Gironde hat am Samstag die Vororte der Millionenstadt Bordeaux erreicht. Nach Angaben von Innenminister Laurent Nuñez wurden bislang rund 167.000 Menschen in Sicherheit gebracht, allein 57.000 in der Nacht zum Samstag. Im benachbarten Département Landes kamen weitere 31.000 Evakuierte hinzu. Nuñez sprach gegenüber französischen Medien von „einer der größten Evakuierungen in der Geschichte des Landes“ und warnte: „Wir stellen uns auf einen langen und sehr schweren Kampf ein.“ Präsident Emmanuel Macron kündigte auf der Plattform X an, Frankreich werde „alle zivilen und militärischen Mittel“ mobilisieren.

Das seit Mittwoch brennende Feuer hat nach Angaben der Präfektur der Gironde bereits mehr als 19.000 Hektar Wald und Buschland zerstört, eine Fläche, die größer ist als das Stadtgebiet von Paris. Rund 100 Gebäude wurden beschädigt oder vollständig niedergebrannt. Am späten Freitagabend stand die Flammenfront rund 30 Kilometer vor den Toren von Bordeaux, wie der Berliner „Tagesspiegel“ unter Berufung auf die Präfektur berichtet. Regionalpräfektin Sophie Brocas ordnete daraufhin die vorsorgliche Räumung der Gemeinden Le Haillan, Eysines und Mérignac im Westen des Ballungsraums an.

Frankreich hat Feuer dieses Ausmaßes noch nie erlebt.
- Laurent Nuñez, französischer Innenminister

Bordeaux' Bürgermeister Thomas Cazenave bestätigte am Freitagabend, das Feuer „tobt weiter vor den Toren der Stadt“, eine Evakuierung der Kernstadt sei jedoch derzeit nicht angeordnet. Zur Unterbringung Vertriebener wurde die Messehalle am Bordeaux-Lac in ein Notquartier für bis zu 10.000 Menschen umgewandelt. Die staatliche Bahn SNCF stornierte Verbindungen in die Region ohne Umbuchungsgebühr, der Flughafen Bordeaux blieb betriebsbereit, allerdings war der Bus- und Straßenbahnverkehr zum Terminal zeitweise unterbrochen.

Militär und 18 Löschflugzeuge im Einsatz

Premierminister Sébastien Lecornu erhöhte die Zahl der eingesetzten Soldaten nach eigenen Worten „von 500 auf 1.000“. Rund 1.200 Feuerwehrleute stehen im Einsatz, unterstützt von 18 Löschflugzeugen sowie einem Militärtransporter vom Typ Airbus A400M, der bis zu 20 Tonnen Wasser und Löschmittel abwerfen kann. Vier Helikopter aus der Schweiz seien ebenfalls im Einsatz, meldet das Portal Watson. 1,5 Millionen FFP2-Masken sollen an Einsatzkräfte und Anwohner verteilt werden, um sie vor der Rauchentwicklung zu schützen.

Frankreich verzeichnet in diesem Jahr eine Rekordbilanz: Seit Januar sind laut Angaben der Präfektur landesweit fast 100.000 Hektar Wald und Vegetation verbrannt, so viel wie in keiner Saison zuvor. In Südeuropa insgesamt mussten wegen der aktuellen Waldbrandwelle nach Angaben des Portals „20 Minuten“ bislang rund 257.000 Menschen ihre Häuser verlassen, davon 59.488 in Spanien. In Valencia kam ein Mensch ums Leben. Auch in Var und auf Korsika sowie in Sizilien und Kalabrien wüten weitere Brände.

Die Ursache des Feuers in der Gironde ist bislang nicht endgültig geklärt. Nach Angaben des Bürgermeisters der Gemeinde Le Porge, Martial Zaninetti, soll das Feuer durch ein Gerät zur Rodung ausgelöst worden sein; die Gendarmerie geht laut ersten Ermittlungen von einem unbeabsichtigten Vorfall aus. Bereits im Juli 2022 waren in derselben Region rund um La Teste-de-Buch und Landiras Zehntausende Hektar Wald abgebrannt und Tausende Camping-Gäste evakuiert worden.