Wie wir am Freitag berichteten, hatten die Waldbrände in der Gironde bereits 167.000 Menschen zur Flucht gezwungen. Drei Tage später hat sich die Bilanz drastisch verschoben: Rund 220.000 Menschen mussten laut Präfektur ihre Häuser verlassen, 42.000 Hektar Wald und Buschland sind niedergebrannt, 240 Häuser zerstört. Am Montagmorgen erklärte Innenminister Laurent Nuñez das Feuer für „stabilisiert“, aber noch nicht unter Kontrolle.

Der Vormarsch der Flammen auf die Metropole Bordeaux ist damit zunächst gestoppt. Leichter Regen in der Nacht zum Montag habe die Ausbreitung gebremst, berichtet ZDFheute unter Berufung auf die französische Präfektur. 88 Feuerwehrleute wurden seit Beginn der Einsätze verletzt, allein vier davon in der Nacht auf Montag. Zivile Opfer gibt es bisher nicht.

Präsident Emmanuel Macron reiste am Montagnachmittag zum Departementalen Feuerwehrzentrum in Bordeaux und traf dort auf Einsatzkräfte und Betroffene. Vor Ort kündigte er an, „einen Wald anderer Art“ wieder aufzubauen, und stellte klar: „Die kommenden Wochen werden hart.“ Regierungssprecherin Maud Bregeon appellierte parallel, die Region zu meiden. Es sei nicht die Zeit für touristische Fahrten in die Gironde, solange das Feuer nicht gelöscht sei.

Das Feuer ist stabilisiert, aber noch nicht unter Kontrolle.
- Laurent Nuñez, französischer Innenminister, am 27. Juli 2026

Deutsche Hilfe, europäischer Einsatz

Die Bundeswehr hat zwei Transporthubschrauber sowie Löschmaterial in den Südwesten Frankreichs verlegt. Der Einsatz sei zunächst auf fünf Tage angelegt, meldet ZDFheute. Auf französischer Seite arbeiten laut Euronews 1.400 Feuerwehrleute, 1.500 Soldaten und rund 1.700 zusätzliche Kräfte der inneren Sicherheit. Erstmals kommt ein umgerüsteter Militärtransporter vom Typ A400M als Löschflugzeug zum Einsatz. Die Präfektur der Gironde hatte bereits am Samstag die höchste Warnstufe „Vigilance noire“ (Stufe 5 von 5) ausgerufen.

Die Infrastruktur südlich von Bordeaux bleibt unterbrochen: Die Autobahn A63 ist auf 60 Kilometern gesperrt, die SNCF hat den TGV-Verkehr Richtung Süden ausgesetzt. Der Flughafen Bordeaux ist zwar in Betrieb, viele Zubringerverbindungen fallen aus. Als Ausweichrouten empfehlen die Behörden die A20 und A64. In der gesamten Präfektur wurde parallel Feinstaubalarm für PM10 ausgelöst.

Ursprung und Ausblick

Der Brand war am Dienstag, dem 22. Juli, in der Gemeinde Saumos ausgebrochen und hatte sich bei anhaltender Hitze und starkem Wind rasch ausgedehnt. Betroffen sind neben der Gironde auch die Departements Landes, Var sowie Korsika und die Hautes-Alpes. Fünf Gemeinden im Umland von Bordeaux - Marcheprime, Le Barp, Biganos, Mios und Cestas mit zusammen mehr als 50.000 Einwohnern - wurden evakuiert.

Meteorologen von Météo France warnen, dass die Pause bei der Hitze nur kurz war. Ab Montag steigen die Temperaturen wieder. Nuñez sagte, das Löschen des Feuers könne „mehrere Wochen, wenn nicht Monate“ dauern. Die Bilanz von 42.000 Hektar entspricht bereits mehr als dem doppelten Wert des verheerenden Landiras-Brands von 2022 - und der Sommer ist noch nicht vorbei.