Die Stadt Monschau hat am späten Sonntagabend 17 Häuser in den Weilern Ruitzhof und Geisberg räumen lassen. Rund 30 Bewohner mussten ihre Grundstücke innerhalb von zehn Minuten verlassen, nachdem die Flammenfront des Großbrandes im belgischen Hohen Venn bis auf 300 Meter an die deutsche Grenze herangerückt war. Die Evakuierungsanordnung wurde gegen 22 Uhr über die Warn-App Nina und per Cell Broadcast verschickt. Als Notunterkunft öffnete die Sekundarschule in Simmerath.
Wie wir am Sonntagmittag berichteten, hatte Einsatzleiter Philipp Krüger von der Feuerwehr Monschau noch von einer vorsichtigen Entwarnung gesprochen und einen Großteil der Kräfte abgezogen. Diese Einschätzung hielt keine zwölf Stunden. Bis zum Abend drehte der Wind erneut, das Feuer sprang mehrere angelegte Stopplinien und lief auf die Grenzweiler zu. Feuerwehrsprecher Tobias Schell erklärte gegenüber t-online, zwischen Flammen und Wohnhäusern lägen „Wiesen, die wir in den vergangenen Stunden komplett mit Wasser vollgesogen haben“. Man hoffe weiter, die Gebäude halten zu können.
Lieber jetzt als mitten in der Nacht.
Der stellvertretende Bürgermeister Franz-Karl Boden begründete den Zeitpunkt der Räumung im Tagesspiegel mit der Vorsorge vor der Dunkelheit: „Lieber jetzt als mitten in der Nacht.“ Die meisten Betroffenen seien bei Verwandten oder Freunden untergekommen, die Schulunterkunft stehe für die übrigen bereit. Für weitere Evakuierungen in Kalterherberg oder Mützenich gebe es aktuell keinen Anlass. Auf belgischer Seite hatten die Behörden schon am Freitag und Samstag Sourbrodt, Küchelscheid und Leykaul geräumt; nach Angaben der Provinz Lüttich fanden dort rund 600 Menschen Zuflucht in einer Notunterkunft in Malmedy.
Schwedische Löschflugzeuge an der Oleftalsperre
Mit Sonnenaufgang am Montag darf ein schwedisches Löschflugzeug erstmals Wasser aus der Oleftalsperre bei Hellenthal abpumpen und über der Feuerfront abwerfen. Die Genehmigung erteilte der Wasserverband Eifel-Rur nach Absprache mit den Kreisen Euskirchen und Aachen. Insgesamt hat die EU über das Katastrophenschutzverfahren zwei Löschflugzeuge aus Schweden sowie zwei Boeing-CH-47-Helikopter aus den Niederlanden nach Ostbelgien verlegt; EU-Krisenkommissarin Hadja Lahbib bestätigte die Verstärkung am Sonntag. Zusätzlich sind Kräfte aus Tschechien und Luxemburg im Einsatz, das belgische Militär hat vier Panther-Löschfahrzeuge in Stellung gebracht.
Nach Angaben des belgischen Katastrophenschutzes stehen mittlerweile rund 3.000 Hektar Hochmoor in Flammen, eine Fläche von etwa 4.200 Fußballfeldern und damit der größte je dokumentierte Vegetationsbrand Belgiens. Besonders problematisch bleibt die Torfschicht: Sie reicht mehrere Meter tief, glimmt unterirdisch weiter und kann Tage nach dem Löschen der Oberflächenfeuer erneut aufflammen. Der Deutsche Wetterdienst rechnet für Montag mit örtlichen Schauern und Gewittern, allerdings ohne die ergiebigen Niederschläge, die es zur endgültigen Kontrolle bräuchte. Der belgische Innenminister Bernard Quintin sagte am Sonntagabend, die Gesamtlage sei „noch nicht unter Kontrolle“.
Rund 50 Kilometer weiter nordöstlich meldete der Kreis Düren am Sonntagnachmittag über Landrat Ralf Nolten (CDU) den Waldbrand im Hürtgenwald als „unter Kontrolle“. Anwohner in Vossenack und Simonskall konnten zurückkehren. Damit konzentriert sich die operative Belastung im Katastrophenschutz von Nordrhein-Westfalen und Ostbelgien nun auf das Hohe Venn.