Der Waldbrand in der Nordeifel, über den wir seit Donnerstag berichten, hat sich in der Nacht zum Samstag nicht weiter ausgedehnt. Nach Angaben des Kreises Düren stehen weiterhin rund 300 Hektar zwischen Gey und Großhau in Flammen, die Feuerwehr spricht erstmals seit Ausbruch von einem kontrollierten Einsatz. „Die Nacht war gut“, sagte Landrat Ralf Nolten (CDU) am Samstagmorgen vor Journalisten, wie der Tagesspiegel und ZDFheute berichten. „Gestern Morgen war echter Kampf und jetzt ist kontrolliertes Arbeiten.“ Ortsteil Gey mit rund 1.800 Einwohnerinnen und Einwohnern bleibt evakuiert.

Rund 1.400 Kräfte von Feuerwehr, THW, Polizei, Bundeswehr, DRK, Maltesern und Forst rotieren im Zwölf-Stunden-Rhythmus, jeweils etwa 500 sind gleichzeitig im Wald. Fünf bis sechs Löschhubschrauber, darunter Maschinen von Bundeswehr und Bundespolizei, fassen Wasser aus der nahegelegenen Wehebachtalsperre und werfen es mit Bambi-Buckets über den Brandherden ab. Der Flugbetrieb hatte bei Tagesanbruch um sechs Uhr wieder begonnen, so t-online. Zwei Bergepanzer der Bundeswehr schoben in der Nacht Schneisen durch den Baumbestand, um Brandriegel zu ziehen.

Unsere Strategie für die Nacht ist aufgegangen. Wir konnten die Flanken halten.
- Karlheinz Eisnar, Kreisbrandmeister Düren, gegenüber ZDFheute

Front bei Großhau, keine Entwarnung

Am Samstagvormittag konzentrierten sich die Kräfte auf einen dritten Brandherd Richtung Großhau. Feuerwehrsprecher Peter Berndgen erklärte laut t-online, es gebe „keine akute Gefahr für die Wohnbereiche“; gleichzeitig warnte er, die Aufräum- und Nachlöscharbeiten könnten „Tage dauern“. In Netterhöfe wurden 20 bis 25 Häuser wegen der Nähe zum Feuer vorsorglich geräumt. Nolten verwies gegenüber dem Tagesspiegel darauf, dass Einzeltrupps mit Rückenspritzen wegen der hohen Munitionsbelastung im Boden nicht eingesetzt werden könnten - Detonationen von Weltkriegsmunition erschweren die Arbeit seit Donnerstag.

Der Deutsche Wetterdienst hat für Nordrhein-Westfalen einen sogenannten Red Flag Day ausgerufen: Temperaturen zwischen 29 und 34 Grad, geringe Luftfeuchte und Wind erschweren die Brandbekämpfung. Regen ist bis in die neue Woche nicht in Sicht. NRW-Landwirtschaftsministerin Silke Gorißen (CDU) sagte bei einem Ortsbesuch, sie kenne „keinen Waldbrand, der auch nur annähernd an diese Größenordnung heranreicht“. Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) und Vize-Regierungschefin Mona Neubaur (Grüne) wollten sich im Tagesverlauf vor Ort ein Bild machen.

Wann die evakuierten Bewohner nach Gey zurückkehren können, ist offen. Nolten sagte laut Tagesspiegel: „Gey ist aus unserer Sicht derzeit sicher, solange sich der Wind nicht dreht oder auffrischt.“ Der Kreis Düren rechnet mit Löscharbeiten mindestens bis Montag, danach beginnt die tagelange Kontrolle der Glutnester im munitionsbelasteten Boden. Auf der Bundesstraße 399 sowie den Landstraßen L11, L12 und L25 bleiben die Sperrungen bestehen.