In der Nordeifel kämpfen am Freitagmorgen mehr als 200 Einsatzkräfte gegen einen ausgedehnten Waldbrand im Kreis Düren. Rund 300 Hektar stehen laut Landrat Ralf Nolten in Flammen, das entspricht etwa 420 Fußballfeldern. Die Flammen sind bis auf etwa 200 Meter an den Hürtgenwalder Ortsteil Gey herangerückt. Die knapp 1.800 Einwohnerinnen und Einwohner mussten seit dem frühen Morgen ihre Häuser verlassen.
Bereits gegen 2.00 Uhr hatte der Kreis Düren erste Warnungen ausgegeben und Anwohner aufgefordert, die Bereiche Kleinhau, Gey und die Landstraße L25 zu meiden. Der Räumungsbefehl folgte um 5.35 Uhr, gegen 8.13 Uhr meldete die Gemeinde Gey als vollständig evakuiert. In der Warn-App Nina wurde die höchste Stufe „Extreme Gefahr“ ausgegeben. Rund 60 Menschen, die zunächst in einer Notunterkunft in Straß untergebracht waren, mussten wegen Aschefalls weiter verlegt werden.
Das Feuer entwickelte sich zeitweise zu einem sogenannten Wipfelbrand, bei dem sich die Flammen über die Baumkronen ausbreiten und für die Einsatzkräfte kaum zu erreichen sind. Anhaltende Windböen von rund 30 km/h fachten die Glut immer wieder an. Die Bundeswehr rückte mit einem Pionierpanzer an, der Schneisen durch das Brandgebiet schlug, ein Hubschrauber warf zusätzlich Wasser ab. Landwirte aus der Region halfen mit Fasswagen bei der Wasserversorgung. Die Bundesstraße 399 durch das betroffene Waldstück ist gesperrt.
Ein Brand hat sich in der Nacht leider noch weiter ausgebreitet, Richtung Gey und auch Richtung des alten Munitionslagers.
Bürgermeister Stephan Cranen sprach dem WDR gegenüber von drei Brandherden. Zwei seien unter Kontrolle, der dritte habe sich in der Nacht weiter Richtung Gey und in Richtung eines alten Munitionslagers ausgedehnt. Ein Sprecher des Kreises Düren nannte die Lage gegenüber dem Tagesspiegel „dynamisch“, eine unmittelbare Gefahr für den Munitionsbunker bestehe aktuell nicht. In dem Waldgebiet, in dem Ende 1944 die verlustreiche Schlacht im Hürtgenwald tobte, liegt bis heute Kriegsmunition im Boden. Am Donnerstag habe es kleinere Explosionen gegeben.
SPD fordert Bundesfeuerwehr
Am späten Vormittag sagte Landrat Nolten, die offenen Flammen seien weniger geworden. Fachleute vor Ort erwogen ein kontrolliertes Gegenfeuer, um dem Brand den Sauerstoff zu entziehen. Die Ursache ist bislang unklar, Verletzte gab es zunächst nicht.
Der Einsatz reiht sich in eine Serie schwerer Waldbrände dieses Sommers ein. Angesichts der hohen Zahl an Bränden in Deutschland plädierte die SPD am Donnerstag für die Schaffung einer Bundesfeuerwehr, die länderübergreifend bei solchen Katastrophenlagen eingesetzt werden könne. Die Debatte dürfte durch den Einsatz in der Eifel neuen Auftrieb bekommen.