Der Waldbrand in der Nordeifel, über den wir am Donnerstagmorgen mit der Evakuierung des Ortsteils Gey erstmals berichteten, hat sich zum größten Waldbrand in Nordrhein-Westfalen seit 1946 ausgeweitet. Rund 300 Hektar Wald zwischen Gey und Großhau brennen laut Kreis Düren weiter, in der Nacht zum Freitag konnten die Einsatzkräfte den dritten Brandherd Richtung eines alten Munitionslagers nicht abschließend eindämmen. Fünf Menschen wurden nach Angaben von Landrat Ralf Nolten (CDU) verletzt: ein älterer Anwohner erlitt bei der Evakuierung Herzprobleme, vier Feuerwehrleute trugen Schnittwunden und Kreislaufbeschwerden davon.
Rund 400 Kräfte von Feuerwehr, Polizei, THW und Forst sind im Dauerbetrieb. Fünf Hubschrauber - darunter Maschinen der Bundeswehr und der Bundespolizei - werfen Wasser aus der Wehebachtalsperre ab. Nach Einbruch der Dunkelheit müssen die Luftfahrzeuge am Boden bleiben: Im Waldboden liegt noch Munition aus den Gefechten der Schlacht im Hürtgenwald im Winter 1944, wiederholte Detonationen von Weltkriegsgranaten wurden aus dem Brandgebiet gemeldet. Aus demselben Grund darf die Feuerwehr keine Trupps mit Rückenspritzen ins Innere schicken; Landrat Nolten sagte, die Munitionslast begrenze die Möglichkeiten der Brandbekämpfung. Ein Pionierpanzer der Bundeswehr schlägt weiter Schneisen in den Wald, um dem Feuer den Nachschub zu nehmen.
Wir haben es hier mit einer Dimension zu tun, die wir seit Jahrzehnten nicht mehr erlebt haben.
Bundeskanzler Friedrich Merz dankte den Einsatzkräften für ihren „oft zehrenden Einsatz“. NRW-Landwirtschaftsministerin Silke Gorißen (CDU) berief im Landesagrarministerium einen Krisenstab ein und sprach von einer Dimension, wie sie die Region seit Jahrzehnten nicht mehr erlebt habe. Die 1.800 evakuierten Einwohnerinnen und Einwohner von Gey sind vorerst weiter untergebracht - überwiegend bei Verwandten, ein Teil in einer Schulnotunterkunft. Eine Rückkehr sei nicht absehbar, so der Kreis Düren; die Windrichtung könne sich jederzeit wieder drehen.
Politisch bekommt der Einsatz jenseits der Eifel Nachhall. Die SPD hatte am Donnerstag den Aufbau einer Bundesfeuerwehr für die Waldbrandbekämpfung aus der Luft gefordert; Umweltminister Carsten Schneider (SPD) kündigte eine Grundgesetzänderung zur Klimaanpassung an. Die Ursache des Brandes ist weiterhin unklar - Ermittler des Kreises Düren wollen erst am Boden nach der Löschung mit den Untersuchungen beginnen. Ein Sprecher sagte am Freitagabend, jede Stunde ohne Wetterumschwung bringe die Einsatzkräfte einen Schritt weiter.