NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) und seine Stellvertreterin Mona Neubaur (Grüne) haben sich am Samstagnachmittag im Kreis Düren ein Bild vom größten Waldbrand in der Geschichte Nordrhein-Westfalens gemacht. „Es besteht jetzt erste Hoffnung, dass der Brand unter Kontrolle gebracht werden kann“, sagte Wüst vor Journalistinnen und Journalisten nahe des Einsatzabschnitts, wie t-online und die Deutsche Presse-Agentur berichten. „Bisher ist kein Haus verloren gegangen.“ Wir hatten am Morgen darüber berichtet, dass die zweite Brandnacht ohne weitere Ausbreitung verlief.

Am Nachmittag zogen erste Regenschauer über das Einsatzgebiet - eine kurze Entlastung nach zwei Tagen bei 29 bis 34 Grad und Windböen, die die Feuerwehr an den Rand ihrer Kapazitäten gebracht hatten. Der Kreis Düren meldete kurz vor 16 Uhr rund 1.800 Einsatzkräfte im Feld, gegenüber rund 1.400 am Vormittag. Zehn Löschhubschrauber von Bundeswehr, Bundespolizei und Landespolizei sind laut Ingenieur.de weiterhin im Einsatz, darunter zwei CH-53 der Luftwaffe von Hubschraubergeschwader 64 in Holzdorf, die seit Samstag ergänzend zu den NH90-Maschinen bis zu 5.000 Liter pro Anflug abwerfen. Die Bundeswehr hat zudem die Zahl der Bergepanzer auf vier erhöht; zwei Bergepanzer 3 „Büffel“ des Versorgungsbataillons 7 aus Unna und zwei Bergepanzer 2 der Technischen Schule des Heeres aus Aachen schieben Schneisen in den munitionsbelasteten Waldboden.

Es besteht auch erste Hoffnung, dass die evakuierten Menschen aus der Ortschaft Gey bald wieder in ihre Häuser zurückkehren können, wenn es weiter gut läuft.
- Hendrik Wüst, Ministerpräsident NRW, vor Ort in Hürtgenwald

Neubaur zieht Fünfjahresvergleich, Merz fragt mehrfach nach

Neubaur, in NRW zugleich Wirtschaftsministerin, ordnete die Dimension gegenüber t-online ein: Das Feuer entspreche der Fläche aller Waldbrände der vergangenen fünf Jahre in NRW zusammengenommen. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) habe sich mehrfach nach dem Stand erkundigt und Unterstützung zugesagt, teilte die Staatskanzlei mit. Auf Bitten des Landes stellt der Bund die zusätzlichen Hubschrauber und die Bergepanzer. Ortsteil Gey mit rund 1.800 Einwohnerinnen und Einwohnern bleibt evakuiert; die Anlaufstelle am Athenée-Royal-Gymnasium in Düren betreut Betroffene, die die Nacht nicht zu Hause verbringen konnten.

Die Einsatzleitung sprach am Nachmittag von einer „statischen Lage“, ohne Entwarnung. Der Deutsche Wetterdienst warnte weiter vor drehendem Nordwind und lokalen Gewittern, die neue Glutnester in Nachbarrevieren entzünden könnten. Der Kreis Düren rechnet mit Löscharbeiten mindestens bis Montag. Detonationen von Weltkriegsmunition erschweren die Arbeit seit Ausbruch am Donnerstag - Einzeltrupps mit Rückenspritzen dürfen den kontaminierten Boden nach wie vor nicht betreten. Wüst richtete zum Abschluss seines Besuchs einen Appell an die Bevölkerung: „Bleiben Sie aus dem Wald raus.“