Die US-amerikanische Fliegerin Wally Funk ist tot. Sie starb in der Nacht auf Donnerstag in ihrem Wohnort Grapevine bei Dallas im Alter von 87 Jahren, wie ihre Betreuer der Nachrichtenagentur AP bestätigten. Als Ursache nannte ihre Pflegerin wiederholte Stürze und eine Beininfektion, die Funk in den vergangenen Monaten zugesetzt hatten.

Bekannt wurde Funk durch einen Flug, auf den sie sechs Jahrzehnte hatte warten müssen. Am 20. Juli 2021 stieg sie im Alter von 82 Jahren an Bord der New Shepard von Jeff Bezos' Raumfahrtunternehmen Blue Origin und erreichte über Texas die Kármán-Linie in gut hundert Kilometern Höhe. Zusammen mit dem Amazon-Gründer, dessen Bruder Mark und dem 18-jährigen niederländischen Studenten Oliver Daemen wurde sie damit zur ältesten Frau, die den Weltraum erreichte. Es war der erste bemannte Flug des Unternehmens.

Blue Origin würdigte die Verstorbene am Donnerstag auf der Plattform X. „Wir sind tief betrübt über den Tod von Wally Funk“, schrieb das Unternehmen und ergänzte: „Wir fühlten uns geehrt, Teil ihrer Reise zu sein.“ Nasa-Chef Jared Isaacman erklärte, Funk habe „nie aufgehört daran zu glauben, dass sie eines Tages den Weltraum erreichen würde“. Ihre Beharrlichkeit werde noch Generationen von Amerikanern inspirieren, wie die Behörde Isaacman zitierte.

Träume haben kein Verfallsdatum.
- Duff O'Dell, Stadträtin Grapevine, gegenüber lokaler Presse

Als jüngste der Mercury 13 alle Tests bestanden

Sechs Jahrzehnte vor dem Blue-Origin-Flug hatte Funk das Programm „Mercury 13“ durchlaufen. Die private Initiative aus dem Jahr 1961 unterzog dreizehn Pilotinnen denselben Tauglichkeitstests, die die Nasa auf ihre männlichen Astronauten anwandte. Funk war die Jüngste der Gruppe und die einzige, die alle Testbatterien absolvierte. Ein Nasa-Flug blieb ihr trotzdem verwehrt: Die Behörde ließ in den Sechzigern keine Frauen in ihre Mercury-Kapseln steigen. Erst 1983 flog mit Sally Ride die erste US-Amerikanerin ins All.

Funk hatte davor bereits eine bemerkenswerte Karriere in der zivilen Luftfahrt hingelegt. Sie war die erste Frau, die für die US-Luftfahrtbehörde FAA als Flugausbilderin arbeitete, und die erste Frau, die für die Verkehrssicherheitsbehörde NTSB Flugunfälle untersuchte. Im März 2022 verlieh ihr das Smithsonian National Air and Space Museum die Michael-Collins-Trophäe für ihr Lebenswerk.

Erinnerung an einen späten Traum

In Grapevine, dem Vorort von Dallas, in dem sie zuletzt in einer betreuten Wohnanlage lebte, würdigten Kommunalpolitiker die Verstorbene als „Trailblazerin“. Stadträtin Duff O'Dell sagte, Funks Werdegang zeige, dass Träume kein Verfallsdatum hätten. In den USA ist ihr Name eng verknüpft mit einer der symbolträchtigsten Aufnahmen des kommerziellen Raumflugs: Funk, die als älteste Passagierin über einen Bezos-Konzern jenen Traum einlöste, den ihr die staatliche Raumfahrt ein Leben lang verweigert hatte.