Julian Weber hat bei der Leichtathletik-EM in Birmingham am Freitagabend seinen Titel im Speerwurf verteidigt - und das gegen die eigenen Nerven, den eigenen Körper und den eigenen Teamkollegen. Mit 90,40 Metern im sechsten und letzten Versuch drehte der 31 Jahre alte Mainzer das Finale und stellte damit gleichzeitig einen EM-Rekord auf. Silber ging an Nick Thumm (VfB Stuttgart), Bronze an den Letten Patriks Gailums mit 82,97 Metern.

Bis zum letzten Wurf hatte der 21-jährige Thumm mit 83,76 Metern aus der fünften Runde geführt - Bestleistung, das erste EM-Podium seiner Karriere schien gesichert. Weber, plagen ihn seit Monaten Schulterprobleme, war erst Mitte Juli in Luzern in den Wettkampfbetrieb zurückgekehrt und hatte dort mit 87,04 Metern die europäische Jahresbestleistung gesetzt. In Birmingham lag er nach fünf Runden hinter dem Landsmann.

Da war so viel Frust, teilweise auch Wut. Da war so viel drin in diesem Wurf, ich habe das alles rausgelassen.
- Julian Weber, gegenüber der Sportschau

Der letzte Versuch löste im Alexander Stadium eine Explosion aus. Weber startete den Anlauf, warf, und der Speer flog über die 90-Meter-Linie. Es war seine vierte Weite jenseits der Schallmauer in der Karriere und, wie leichtathletik.de meldete, der erste 90-Meter-Wurf einer EM überhaupt. Thumm brach den eigenen sechsten Versuch nach einem Blick auf die Anzeige ab, überwältigt und mit Krämpfen. „Ich hatte vorher schon Krämpfe überall, im sechsten Versuch ging dann gar nichts mehr“, sagte er dem ZDF.

Titelverteidigung nach Achillessehnen-Trouble

Für Weber ist es das zweite EM-Gold nach München 2022, damals hatte er ebenfalls den Titel geholt. Die Saison 2026 war für den Mainzer allerdings ein einziger Ausnahmezustand. Neben der Schulter machten ihm Achillessehne und Rücken zu schaffen, wie er nach dem Finale einräumte. Nach dem letzten Wurf, den er selbst mit „ein mentales Biest“ umschrieb, ließ er sich auf die Bahn fallen.

Für den Deutschen Leichtathletik-Verband ist der Doppelerfolg im Speerwurf die vorerst wichtigste Medaille dieser EM. Der DLV geht damit auch personell gestärkt in die kommenden Meisterschaftsjahre: Weber ist mit 31 Jahren noch nicht am Ende, Thumm ist mit 21 der Nachfolger, der jetzt schon Silber holt.