Die Vereinten Nationen haben den 3. Juni 2018 zum Weltfahrradtag erklärt; heute, neun Jahre später, fällt der UN-Aktionstag in Deutschland auf eine bittere Verkehrsbilanz. Das Statistische Bundesamt hatte Ende April mitgeteilt, dass 2025 insgesamt 462 Radfahrerinnen und Radfahrer im Straßenverkehr ums Leben kamen, ein Plus von 3,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Knapp jeder sechste Verkehrstote (16,4 Prozent) war damit auf dem Rad unterwegs.

Treiber des Anstiegs sind nach Destatis-Auswertung weiter die Pedelecs: 217 der getöteten Radfahrer saßen auf einem E-Bike, 2015 waren es erst 36. Besonders verletzlich bleiben ältere Menschen. 61,5 Prozent der getöteten Radfahrer waren mindestens 65 Jahre alt, bei den Pedelec-Toten lag die Quote sogar bei 67,3 Prozent. Bei knapp zwei Dritteln der Unfälle mit Personenschaden war ein zweiter Verkehrsteilnehmer beteiligt, in fast 70 Prozent dieser Fälle ein Autofahrer.

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) nutzt den Aktionstag traditionell für politische Forderungen. Die Kampagne „RADvolution“, mit der der Verband seit 2023 für eine Reform des Straßenverkehrsgesetzes wirbt, läuft auch 2026 weiter. Bundesvorsitzende Rebecca Peters hatte den Kurs schon zum Start zugespitzt: „Wir brauchen endlich gute Straßen für alle - sichere Straßen sind auch lebensfreundliche Straßen.“ Das StVG sei „ein uraltes Gesetz, das Fortschritt blockiert“.

50. Sternfahrt in Berlin

Der politische Höhepunkt steht für Sonntag an: Am 7. Juni rollt die 50. ADFC-Fahrradsternfahrt durch Berlin, auf 20 Routen aus der Stadt und aus Brandenburg in Richtung Großer Stern an der Siegessäule. Sie gilt als größte Fahrraddemonstration der Welt; in den vergangenen Jahren mobilisierte sie regelmäßig Zehntausende, bei der 48. Auflage 2024 zählten die Veranstalter 32.000 Teilnehmer. Das Motto 2026 lautet „Die Zukunft fährt Rad!“. Erstmals seit 1977 wird das Jubiläum mit zwei kürzeren Familienrouten und einer ersten Sternfahrt durch die Hauptstadt zur Autobahn flankiert.

Das Fahrrad ist ein vielseitiges Werkzeug, das uns aktiv hält, unsere Gesundheit stärkt und volle Flexibilität ermöglicht.
- Nicole Razavi, Verkehrsministerin Baden-Württemberg

Auch die Länder positionieren sich. Baden-Württembergs Verkehrsministerin Nicole Razavi (CDU) erklärte am Vortag des Aktionstags, das Land wolle „das Radfahren als festen Bestandteil moderner Mobilität stärken“. Die landesweite Arbeitsgemeinschaft fahrrad- und fußgängerfreundlicher Kommunen verwies dabei auf die Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation, wöchentlich 150 Minuten moderate Bewegung anzustreben - ein Pensum, das sich mit dem Weg zur Arbeit oder zum Einkauf erreichen lasse.

Auf UN-Ebene steht der Tag 2026 unter dem Motto „Cycling for a Greener Future“. Die Generalversammlung hatte den Weltfahrradtag 2018 einstimmig beschlossen, als Anerkennung des Fahrrads als „einfaches, erschwingliches, sauberes und umweltverträgliches Verkehrsmittel“. In Deutschland trifft die Botschaft auf eine Verkehrswende, die laut Destatis-Zahlen vor allem für ältere Pedelec-Fahrer gefährlich bleibt - und auf eine Fahrrad-Lobby, die ihre Stunde am Sonntag in Berlin gekommen sieht.