Werder Bremen hat am 4. Spieltag der Bundesliga ein Spiel gedreht, das eine Stunde lang verloren schien. Vor 39.735 Zuschauern im Weserstadion setzten sich die Bremer am Samstagnachmittag mit 3:2 gegen den FC Augsburg durch, nachdem sie bis zur 66. Minute mit 0:2 zurückgelegen hatten. Den Siegtreffer erzielte der eingewechselte Mitchell Weiser in der dritten Minute der Nachspielzeit.
Der FCA startete mutiger und ging nach 18 Minuten durch Robin Fellhauer in Führung, nachdem eine Bremer Ballverlustsituation im Aufbau von Fabian Rieder ausgenutzt worden war. Nach dem Wechsel verdoppelte Innenverteidiger Calvin Brackelmann in der 58. Minute per Kopf nach einer Ecke auf 0:2. Kurz zuvor hatte Augsburgs Trainer Manuel Baum mit einem Dreifachwechsel frische Kräfte gebracht, unter anderem Alexis Claude-Maurice, der die Vorlage zum zweiten Treffer besorgte.
In der 66. Minute begann die Bremer Aufholjagd. Marco Grüll traf nach Vorarbeit von Chuki zum Anschluss. Vier Minuten später brachte Werder-Trainer Daniel Thioune Mitchell Weiser für Oskar Dinkçi. Der Rechtsverteidiger, in der Vorsaison von Verletzungen ausgebremst, wurde zum Matchwinner.
Füllkrugs Hammer, dann Weisers Schlenzer
Den Ausgleich besorgte Niclas Füllkrug in der 86. Minute mit einem trockenen Abschluss aus 15 Metern. Wie die Sportschau in ihrem Spielbericht festhält, hatte Bremen in der zweiten Halbzeit den deutlich höheren Ballbesitz und die klar besseren Torchancen: Der xGoals-Wert lag nach 78 Minuten bei 2,36 für die Gastgeber, bei 0,81 für Augsburg.
Der Siegtreffer fiel in der 93. Minute. Über die linke Seite kam Grüll durch und legte quer, Weiser nahm den Ball an der Strafraumkante an und traf mit einem gefühlvollen Schlenzer ins lange Eck. Schiedsrichter Bastian Dankert pfiff wenige Augenblicke später ab; die Ostkurve feierte einen Sieg, der eine Stunde lang unwahrscheinlich gewirkt hatte.
Für den FC Augsburg ist die Niederlage bitter, weil die Mannschaft über weite Strecken die Partie kontrolliert hatte. Zwei Ecken, zwei Konter, kein weiterer Ertrag: Trainer Manuel Baum verlor nach dem Anschlusstreffer die Ordnung, die seine Elf bis zur 66. Minute ausgezeichnet hatte. Am kommenden Spieltag steht der FCA vor der Aufgabe, die späten Gegentore aufzuarbeiten, während Bremen mit einem Vertrauensschub in die Auswärtsserie geht.
Der Nachmittag im Weserstadion war zugleich ein Fingerzeig für die Bremer Saison: Ohne die zweite Halbzeit hätte die Mannschaft die zweite Heimniederlage in Serie kassiert. Mit ihr steht Werder in der Tabelle deutlich freundlicher da, als es der Verlauf lange erwarten ließ.