Werner Enke ist tot. Der Schauspieler starb am 20. Juli im Alter von 85 Jahren in München-Schwabing nach schwerer Krankheit, wie seine Lebensgefährtin, die Regisseurin May Spils, dieser Tage bekanntgab. Enke war das Gesicht von „Zur Sache, Schätzchen“ (1968), jenem Münchner Nouvelle-Vague-Film, der in der Bundesrepublik zum überraschenden Kinowunder wurde: 6,5 Millionen Zuschauer, in München lief er zwei Jahre am Stück.
Enke gab in dem Film den Martin, den Herumtreiber mit den pseudophilosophischen Sprüchen, an der Seite von Uschi Glas. Regie führte Spils, mit 26 Jahren die erste Nachkriegs-Regisseurin des westdeutschen Kinos. Das Drehbuch schrieb Enke selbst. Zwei Jahre später folgte, wieder mit Spils, „Nicht fummeln, Liebling“ - eine Fortsetzung des lakonischen Schwabing-Tons, der die Bundesrepublik nach 1968 auf eine sehr deutsche Art irritierte.
Ich würde aber kaum meinen Partner von damals dazu kriegen, den Werner Enke mit seinen ewigen Kann-ich-das-denn?-Ängsten.
Geboren 1941 in Berlin, aufgewachsen in Göttingen, war Enke nie nur Schauspieler. Er schrieb Theaterstücke, führte Regie, malte, publizierte 2003 unter dem Titel „Es wird böse enden“ einen Cartoonband. Uschi Glas nannte ihn in der Abendzeitung einen „hinreißenden Kauz“, der stets als Autor an seinen eigenen Sätzen zweifelte. Über eine Wiederauflage des „Schätzchen“-Stoffs war das Paar zeitlebens erhaben. „Das ,Schätzchen' ist ein Klassiker, ,Casablanca' wird ja auch nicht neu verfilmt“, sagte Spils dazu einmal.
Enke und Spils blieben ein Paar bis zu seinem Tod, ohne je in München prominent aufzutreten. Ihre wenigen späteren Filme entstanden im Selbstverlag, jenseits von Fernsehanstalten und Verleihsystem. Was bleibt, ist ein Kinojahrzehnt, in dem ein 27-Jähriger und seine Freundin mit 400.000 Mark Budget einen Film drehten, der die westdeutsche Nachkriegskomödie umschrieb. Er habe, sagte er später der Süddeutschen Zeitung, seine Rolle als Martin nie ganz abgelegt.